#091 Neue Planungskultur: 20 Reallabore für die Stadt von morgen
Shownotes
Wir sprechen über das Policy Paper zum 9. Hochschultag der Nationalen Stadtentwicklungspolitik und die Frage, wie Planung angesichts sozialer, ökologischer und politischer Krisen neu gedacht werden muss.
Das Papier richtet konkrete Forderungen an Hochschulen, Politik, Verwaltung, Planungspraxis und Zivilgesellschaft. Im Mittelpunkt stehen neue Kooperationen, zeitgemäße Lehrpläne, mehr Partizipation und der Vorrang des Bestandserhalts. Besonders spannend ist der Vorschlag, 20 Reallabore einzurichten, in denen Wissenschaft und Praxis gemeinsam neue Lösungen für Stadtentwicklung erproben.
Was ihr mitnehmt:
- Warum Stadtentwicklung eine neue Planungskultur braucht.
- Welche Verantwortung Hochschulen bei der Transformation haben.
- Wie Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft besser zusammenarbeiten können.
- Warum Reallabore helfen können, neue Ansätze schneller in die Praxis zu bringen.
… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de/NSPWeb/SharedDocs/Blogeintraege/DE/policy-paper-9-hochschultag.html
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks dem Snackable Podcast, produziert von Ström New Audio Culture.
00:00:06: Haben Sie in letzter Zeit eigentlich mal Ihre Innenstadt so richtig... genauer angeschaut.
00:00:12: Also wirklich mal ganz bewusst hinter die Fasthaden geblickt?
00:00:15: Genau, weil da stehen riesige eigentlich intakte Kaufhäuser leer.
00:00:19: und was passiert?
00:00:21: Die werden abgerissen nur um naja exakt an derselben Stelle wieder fast identische Glaskästen hochzuziehen.
00:00:28: Das ist halt diese etwas absurde Realität unserer Stadtplanung.
00:00:31: ja alles ist irgendwie immer noch auf diesen permanenten Nachkriegsneubau programmiert.
00:00:37: Und genau diesen Missstand den knöpfen wir uns in der heutigen Tiefen-Analyse mal vor.
00:00:43: Wir schauen uns das Policy Paper gemeinsam wirken vom neunten Hochschultag der nationalen Stadtentwicklungspolitik an, also aus dem Juni, twenty-fünfundzwanzig.
00:00:52: Ein wirklich wahnsinnig spannendes Papier.
00:00:54: die Ausgangslage der Verfasser ist ja ziemlich eindeutig, unsere Städte stecken in einer massiven Zwickmühle.
00:01:02: Also wir sprechen hier nicht nur von leeren Fußgängerzonen oder?
00:01:05: Nee überhaupt nicht!
00:01:06: Es geht um tiefgreifende sozioeconomische Umbrüche.
00:01:10: also einerseits die Globalisierung dann der demografische Wande, unsere Gesellschaft altert ja und vereinsamt zunehmend
00:01:18: Und das Papier weist ja auch daraufhin ganz neutral dass klassische konsensorientierte Planungen immer häufiger blockiert werden.
00:01:26: Richtig Das wird sehr deutlich benannt.
00:01:28: Rechtspopulistische Gruppierungen dringen wohl zunehmend in politische Strukturen und stellen diese etablierten Ziele einer gemeinwohl orientierten Entwicklung massiv infrage.
00:01:39: Der Druck auf das System ist also enorm!
00:01:56: Ja,
00:01:56: ein sehr passendes Bild.
00:01:57: Aber wenn dieses alte System versagt müsste dann nicht die Konsequenz sein die gesetzlichen Spielregeln einfach komplett auf den Kopf zu stellen also dass wir in Städten gar nicht mehr neu bauen?
00:02:08: Exakt und genau da setzt dieser geforderte rechtliche Paradigmenwechsel an Die Landesbauordnungen sollen zu reinen Umbauordnung werden.
00:02:18: Okay das heißt...
00:02:20: Das heißt Bestandserhalt wird zur absoluten gesetzlich Pflicht.
00:02:24: Abriss wäre dann wirklich die absolute Ausnahme, für die man eine Sondergenehmigung braucht.
00:02:29: Wahnsinn!
00:02:30: Das hat ja weitreichende Folgen für die Wirtschaft.
00:02:33: Total.
00:02:34: Investoren müssen künftig sogenannte ESG-Kriterien also strenge Umwelt und Sozialstandards zwingend einhalten.
00:02:43: Ah, wir hatten ja dazu auch unseren Produzenten Christopher Weiß in den Interviews der ausgiebig von seinen Erfahrungen also insbesondere zum Thema ESG berichten konnte.
00:02:53: Ja und da zeigt sich halt in der Praxis das Leerstand nicht mehr einfach als Spekulationsobjekt brach liegen darf Der muss der Gesellschaft zumindest für temporäre Nutzungen überlassen werden.
00:03:05: Wenn Investoren also gezwungen werden, Räume abzugeben dann ändert sich doch unweigerlich auch die Rolle der Menschen, die diese Räime dann füllen.
00:03:13: oder irgendjemand muss das ja organisieren?
00:03:15: Richtig und hier bringt der Text die Hochschulen ins Spiel was ich echt ein spannenden Hebel finde.
00:03:20: Die sollen als eine Art Demokratiemaschinen fungieren Das
00:03:24: heißt sie öffnen dann ihre Makerspaces und Labore nach Feierabend für die Zivilgesellschaft
00:03:29: Ganz genau damit Bürger dort aktiv an echten Stadtprojekten arbeiten können.
00:03:34: Aber das zwingt doch die Verwaltung auch komplett zur Einpassung?
00:03:38: Absolut!
00:03:39: Es reicht künftig einfach nicht mehr, wenn Beamte nur Paragrafen prüfen.
00:03:43: Die Ausbildung im städtebaulichen Referendariat – also das sogenannte blaue Heft – soll bundesweit überarbeitet werden.
00:03:50: Okay…
00:03:51: was lernen sie dann stattdessen?
00:03:52: Zukünftige Stadtplaner müssen Mediation und multiperspektivisches Denken lernen.
00:03:58: Und ein besonders interessanter Punkt.
00:04:00: Sie sollen explizit in psychischer Resilienz geschult werden.
00:04:04: Moment mal, warum brauchen Stadtplaner psychische Resilience?
00:04:07: Das klingt ja als würden sie in einen Kampfeinsatz ziehen!
00:04:10: Naja weil sich ihre Rolle halt fundamental wandelt.
00:04:12: ne die sitzen nicht mehr im stillen Kemmerlein und stempeln Bauanträge ab Die stehen plötzlich mitten in extrem hitzigen emotionalen Nachbarschaftskonflikten.
00:04:23: Stimmt wenn Wohnraum knapp ist oder Straßen neu aufgeteilt werden Dann geht es ja oft um Existenzängste.
00:04:29: Genau!
00:04:30: Und das auszuhalten und vor allem produktiv zu moderieren, das erfordert eine enorme psychische Stärke.
00:04:36: Verstehe... Aber hier wird's wirklich interessant.
00:04:41: Führt das nicht zwangsläufig ins absolute Chaos?
00:04:44: Wenn da plötzlich jeder als informeller Stadtmacher mitentscheidet und die Verwaltung nur noch moderiert?
00:04:51: Da wird doch nichts mehr
00:04:52: gebaut?!
00:04:53: Eine sehr berechtigte Sorge.
00:04:55: Deshalb plädiert das Konzept auch nicht für irgendeine basisdemokratische Anarchie, sondern für wirklich feste verbindliche Kooperationsstrukturen.
00:05:03: Also
00:05:03: um dieses extrem detaillierte lokale Wissen der Anwohner zu kanalisieren.
00:05:07: Exakt!
00:05:08: Das soll ganz strukturiert in formelle Entscheidungsprozesse einfließen bevor es sich auf der Straße in Protesten entleht.
00:05:15: Aber sowas kann man doch nicht einfach... Per Knopfdruck für ein ganzes Land beschließen.
00:05:21: So ein radikaler Umbau!
00:05:22: Der muss doch katastrophal schiefgehen, wenn man das nicht vorher in der Realität testet?
00:05:27: Völlig richtig.
00:05:28: und der konkrete Lösungsansatz des Papiers dafür sind zwanzig sogenannte Reallabore der urbanen Transformation
00:05:36: Gesteuert von so einem Hochschulkonsortion.
00:05:38: richtig?
00:05:39: Genau, zusammen mit dem Bundesinstitut für Baustadt und Raumforschung.
00:05:42: Das Ganze ist übrigens zeitlich passend an das zwanzigste Jubiläum der Leipzig-Charter gekoppelt.
00:05:47: Okay ein Realaborr ist also im Grunde wie eine städtische Sandbox – ein abgesperrter Bereich in dem man mal die strengen Regeln aussetzt!
00:05:55: Ja um einfach mal auszuprobieren was eigentlich passiert wenn Bürger ein Gebäude oder eine Straße komplett selbst umgestalten.
00:06:03: Man operiert also quasi am offenen Herzen der Stadt.
00:06:07: Genau das, aber eben wissenschaftlich begleitet und in einem rechtlich geschützten Rahmen.
00:06:12: so sieht man was im Alltag wirklich funktioniert bevor man es in nationale Gesetze gießt.
00:06:18: Mega spannend!
00:06:19: Wenn Sie also das nächste Mal durch ihre Nachbarschaft spazieren und ein leeres Gebäude sehen betrachten sie es vielleicht nicht sofort als Verfall
00:06:27: sondern eher als potentielles Realaborier
00:06:30: als rohes Material für ein völlig neues Stadtkonzept.
00:06:33: Ein Konzept, das auf Reparatur setzt statt auf ständiges Wachstum.
00:06:39: und das bringt mich zu einem letzten provokanten Gedanken den sie heute mal für sich weiterspinnen
00:06:44: können.".
00:06:45: Was wäre das?
00:06:46: Wenn sich in Zukunft tatsächlich dieses Prinzip-Umbau vor Neubau überall radikal durchsetzt, wie sehen dann die Skyline ihre eigenen Stadt in fünfzig Jahren aus?
00:06:57: Wahrscheinlich nicht mehr als eine glatte Uniformereihe neuer Glastürme.
00:07:02: Genau!
00:07:03: Sondern eher wie ein gigantisches ressourcenschonendes Patchwork aus allen möglichen Epochen… Ein sichtbares Mosaik all der Menschen, die diese Stadt immer wieder neu zusammengesetzt haben.
00:07:15: Ein echt faszinierendes Bild das Sie einfach mal im Hinterkopf behalten können wenn sie das nächste Mal aus dem Fenster schauen!
00:07:21: Das
00:07:23: war eine weitere Folge von Snacks – dem Snackable Podcast
00:07:26: Produziert von Ström New Audio Culture.
00:07:29: Wenn Ihnen dieser Deep Dive gefallen hat empfehlen Sie unseren Podcast sehr gerne weiter.
00:07:33: Schauen Sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.
00:07:37: Bis
00:07:37: zur nächsten Folge.
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