#089 Von der Stasi-Zentrale zum Wohnprojekt: Umbau in Eigenregie

Shownotes

Wir sprechen über ein ungewöhnliches Wohnprojekt in der Magdalenenstraße in Berlin-Lichtenberg: Rund 30 Bürger haben ehemalige Büroflächen des Ministeriums für Staatssicherheit in gemeinschaftlichen und bezahlbaren Wohnraum für etwa 60 Menschen verwandelt.

Statt auf teure Standards zu setzen, wurde pragmatisch und kostengünstig saniert. Brandschutz, Umnutzung und Finanzierung mussten dabei teilweise auf unkonventionellen Wegen gelöst werden. Finanziert über Bankkredite und Privatdarlehen und gemeinschaftlich als GmbH organisiert, zeigt das Projekt, welches Potenzial in Eigeninitiative und Bestandstransformation steckt.

Was ihr mitnehmt:

  • Wie aus leerstehenden Büroflächen bezahlbarer Wohnraum entstehen kann.
  • Warum einfache Standards Baukosten erheblich reduzieren können.
  • Wie gemeinschaftliche Immobilienentwicklung finanziert und organisiert werden kann.
  • Welche Hürden Brandschutz und Baurecht bei Umnutzungen verursachen.

… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://wilma19.de/

🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks dem Snackable Podcast, produziert von Ströms New Audio Culture.

00:00:06: Stellen Sie sich doch mal einen echten Alltraum aus Beton vor!

00:00:10: Ja so eine richtige Festung gebaut um Menschen abzuschrecken?

00:00:14: Genau die ehemalige Stasizentrale in Berlin-Lichtenberg.

00:00:18: das sind also endlose festerlose Flure und metadicke Wände

00:00:23: Richtig.

00:00:24: Und jetzt stellen Sie sich vor, dreißig ganz normale Bürger stehen genau vor diesen Kasten und sagen, äh ja hier ziehen wir ein!

00:00:31: Wahnsinn oder?

00:00:32: Keine Investoren, keine Luxussanierung.

00:00:36: ausgerechnet aus diesem düsteren Ort haben diese Menschen ihren eigenen Wohnraum geschaffen.

00:00:41: Und das für eine Kaltmiete von halten sie sich fest fünf Euro, fünfundzwanzig pro Quadratmeter.

00:00:47: Was ja also in Berlin eigentlich ein absolutes Ding der Unmöglichkeit ist heutzutage

00:00:53: Absolut.

00:00:54: Das ist auch genau der Punkt, den ich nicht ganz verstehe.

00:00:58: Wenn heute jemand so ein altes Bürogebäude kauft dann wird das doch in der Regel erstmal komplett entkernt oder?

00:01:06: Ja normalerweise schon!

00:01:07: Man will ja große Fensterfronten, offene Lofts...

00:01:11: Eben aber warum hat diese Gruppe dann, das war ja zwölf für eine Million Euro diese zwei tausend fünfhundert Quadratmeter gekauft nur um dann diese beklemmende Stasi-Architektur mit den winzigen Büros einfach zu behalten?

00:01:25: Naja, weil eine Entkernung die Gruppe schlichtweg ruiniert hätte.

00:01:29: Ein Plattenbau, der funktioniert statisch gesehen wie so ne Art Bienenwabe oder wie ein Kartenhaus

00:01:35: Okay verstehe

00:01:36: Fast jede Wand trägt da die Last der Stockwerke darüber.

00:01:39: Wenn man da jetzt großzügige Lofts will und Wände herausreißt stürzt einem im schlimmsten Fall einfach die Decke ein.

00:01:46: Das heißt, man müsste extrem teure Stahlträger einziehen.

00:01:49: Ganz

00:01:49: genau!

00:01:50: Die Formel für diese niedrige Miete lautete also zwingender Pragmatismus – so wenig ändern wie nur irgendwie möglich.

00:01:59: Krass… das heißt die haben diese engen, sechzehn Quadratmeter-Zellen einfach so als WG-Zimmer übernommen?

00:02:05: Ja.

00:02:06: Inklusive der alten Stasi Schallschutztüren?

00:02:08: Exakt

00:02:09: so haben sie es gemacht... Und was ja ursprünglich für ungestörte Verhöhre gebaut wurde, das ist ironischerweise hervorragend für den Lärmschutz in so einer großen Wohngemeinschaft.

00:02:20: Auch das ist ja fast schon absurd!

00:02:21: Ja und das hielt dann die reinen Umbaukosten bei erstaunlich niedrigen Euro.

00:02:28: Halt ein Moment, das klingt jetzt alles nach einem richtig entspannten DIY-Projekt.

00:02:32: also einfach die alten Türen drin lassen bisschen Farbe an die Wand und fertig

00:02:37: Schön wär's.

00:02:38: Wir reden hier schließlich von Deutschland, also Bauern.

00:02:41: im Bestand ist doch normalerweise ein riesiger bürokratischer Albtraun.

00:02:45: Oh ja

00:02:45: das war es auch!

00:02:46: Das Projekt stand jahrelang wirklich auf der Kippe.

00:02:49: Es fing schon damit an dass es von der Stasi für dieses Gebäude einfach überhaupt keine Statikpläne gab.

00:02:56: Bitte Wie baut man denn einen Gebäuden um wenn man nicht mal weiß ob das Ding hält?

00:03:03: Mit brachialer Fleißarbeit und ja extrem hohem Risiko.

00:03:08: Die mussten mit Kernbohrungen wirklich überall im Gebäude den Beton anbohren.

00:03:13: Nur um zu schauen, wo Stahl ist?

00:03:15: Genau!

00:03:15: Um herauszufinden, wo und wie viel Stahlbeton da überhaupt verbaut wurde.

00:03:20: Und dann kam der Brandschutz.

00:03:23: Oh je – das Lieblingsthema in Deutschland….

00:03:26: Da sind unsere strengen Bauvorschriften doch oft der reinste Innovationskiller für den Wohnungsmarkt

00:03:30: oder?!

00:03:31: Definitiv, also da die Flure dort zu lang waren und die Rettungswege eben nicht den heutigen Standards entsprachen, zwangen die Behörden die Gruppe zu massiven Eingriffen.

00:03:41: Was heißt das konkret?

00:03:42: Sie mussten zum Beispiel ein komplettes Zimmer im vierten Stock opfern und komplett leer stehen lassen.

00:03:48: Wirklich?!

00:03:49: Ja nur als Durchstich damit die Feuerwehr im Ernstfall eine Drehleiter in den Innenhof ausfahren kann.

00:03:56: Wahnsinn!

00:03:57: Wenn Leyen das alles komplett in Eigenregie lösen müssen...

00:04:01: Es ist ein riesiges Nadelöhr.

00:04:03: Der Berliner Senat plant da zwar inzwischen so einen einfacher Baungesetz, um genau solche Hürden abzubauen aber diese Gruppe war damals eben völlig auf sich allein gestellt

00:04:14: Und das hat sicher nicht allen gefallen oder?

00:04:16: Richtig!

00:04:16: Das führte auch zu echten Härtefällen.

00:04:18: der Standard war am Ende so simpel also reiner Betonboden Fensterlose Bäder im Gebäudeinneren dass einige Mitglieder dann noch wieder absprangen.

00:04:28: Den war diese brutale Realität einfach zu spartanisch.

00:04:31: Kann ich irgendwie auch nachvollziehen, aber wer so ein unkalkulierbares Projekt baut, der bekommt doch vermutlich auch keinen klassischen Immobilienkredit bei der Sparkasse?

00:04:42: Wie haben die das den finanziell überhaupt gestemmt?

00:04:45: Die haben sich einfach selbst zur Bank gemacht!

00:04:48: Anstatt eines großen teuren Bankkredits haben sie das Risiko auf hundertsechzig einzelne Kredite gestreut.

00:04:57: Ach

00:04:57: was?!

00:04:58: Sozusagen über Crowdfunding.

00:04:59: Ein analoges Crowdfunding, genau!

00:05:02: Das lief über Freunde verwandte Bekannte?

00:05:04: Man konnte schon ab achthundert Euro einsteigen.

00:05:07: Okay und zu welchen Konditionen?

00:05:09: Verzinst

00:05:09: mit sehr fairen zwei Prozent.

00:05:12: Clever – so macht man sich von den Institutionen unabhängig Und das Resultat ist ja wirklich beeindruckend.

00:05:18: Etwa dreihundert Euro Warmzahl dort heute jemand für ein WG-Zimmer?

00:05:22: Ja, dass es unschlagbar.

00:05:23: Aber was ich an ihren Notizen fast noch faszinierender fand, die haben diesen Ort ja nicht nur für sich selbst eingenommen.

00:05:30: Richtig?

00:05:31: Das ist der vielleicht wichtigste Aspekt an der ganzen Sache!

00:05:34: Der ehemalige Stasi-Parkplatz ist heute ein offener Gemeinschaftsgarten.

00:05:39: Sehr cool Und in einer alten Remise dort gibt es nun kostenfreie Räume für die Nachbarschaft.

00:05:44: Da trifft sich dann eine queere Lesegruppe oder es gibt eine Rassismusberatung... Wow!

00:05:50: Ja, aus einem Symbol der staatlichen Überwachung haben sie einen komplett durchlässigen sozialen Ort gemacht.

00:05:56: Was für ne krasse Verwandlung.

00:05:58: und hier ist noch ein provokanter Gedanke für Sie den Sie aus dieser Analyse mitnehmen können.

00:06:04: Allein in Berlin stehen schätzungsweise bis zu zweikommer zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer.

00:06:09: Eine wahnsinnige Zahl,

00:06:11: die ich günstig und trotz aller bürokratische Albträume schaffen!

00:06:16: Dann fragt man sich schon warum wir die Entwicklung unserer Städte fast ausschließlich profitorientierten Investoren überlassen?

00:06:23: Genau das.

00:06:24: Das Thema Plattenbau-und Stadtentwicklung haben wir für Sie hier im Podcast ja schon öfter unter die Lupe genommen.

00:06:30: Hören sie da auf jeden Fall gerne mal in die anderen Folgen rein

00:06:33: Und wenn Sie diese speziellen Einblicke spannend fanden, leiten sie das Audio gerne an Bekannte weiter.

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