#088 Kulturorte auf dem Land: Räume, die Gemeinschaft schaffen

Shownotes

Wir sprechen über einen Leitfaden für kulturelle Initiativen im ländlichen Raum, der aus dem Forschungsprojekt AmuRaKK hervorgegangen ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie multifunktionale Orte zu sozialen Treffpunkten werden und das Zusammenleben in Dörfern und Kleinstädten nachhaltig stärken können.

Die Veröffentlichung zeigt, welche Erfolgsfaktoren kulturelle Projekte langfristig tragen: starke Netzwerke, enge Kooperationen mit Politik und Verwaltung, offene Raumkonzepte und gut organisierte Teams. Ziel ist es, bürgerschaftliches Engagement zu professionalisieren und kulturelle Teilhabe dauerhaft zu ermöglichen.

Was ihr mitnehmt:

  • Warum multifunktionale Räume für ländliche Regionen so wichtig sind.
  • Welche Rolle Netzwerke für den Erfolg kultureller Projekte spielen.
  • Wie offene Raumkonzepte Gemeinschaft fördern.
  • Welche organisatorischen Strukturen ehrenamtliche Initiativen entlasten.

… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.bkj.de/meldung/leitfaden-kultur-starten-im-laendlichen-raum/

🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks Team Snackable Podcast, produziert von Ström New Audio Culture.

00:00:05: Stellt ihr mal vor du spazierst so durch dein Dorf und in dem jahrelang verlassenen Bahnhofsgebäude da brennt auf einmal wieder Licht?

00:00:15: Ja!

00:00:15: Und da ist dann nicht nur irgendwie ein Hipper neuer Seminarraum entstanden sondern plötzlich ist auch deine neue Zahnarztpraxis drin.

00:00:25: Genau das klingt jetzt vielleicht völlig verrückt aber Genau das passiert gerade im ländlichen Raum.

00:00:31: Und damit, ja schön dass du bei diesem Kleidenfinale heute dabei bist.

00:00:37: Absolut!

00:00:38: Heute schließen wir nämlich unsere Trilogie ab also unsere dreiteilige Reihe zur Kultur- und Kreativwirtschaft.

00:00:45: Richtig

00:00:45: nach dem Zukunftsreport in Teil eins und der Co-Kreation beim letzten Mal in Teil zwei knöpfen wir uns heute nämlich den Leitfaden für Kulturstarter auf dem Land vor.

00:00:56: oder KulturstatterInnen natürlich

00:00:58: Ja, und wir destillieren heute mal wie man aus so richtig verstaubten Leerständen wieder lebendige Knotenpunkte macht.

00:01:06: Und warum manche Projekte da auch echt grandios scheitern?

00:01:10: Also wenn wir über diese neuen Knotenknoten-Punkte sprechen dann dreht sich in den Quellen ja eigentlich alles um sogenannte dritte Orte.

00:01:17: Genau!

00:01:17: Dritte Orta!

00:01:19: Das ist ein echt... Ein faszinierendes Konzept aus der Soziologie.

00:01:22: Also, dann erster Ort ist dann zu Hause... Okay!

00:01:25: Der zweite Ort ist die Arbeit oder halt die Schule und der dritte Ort?

00:01:30: Das ist sozusagen der gemeinschaftliche Anker, oder?

00:01:34: Also das Café, der Dorfplatz, die Bibliothek in dem Ort wo man sich einfach ungezwungen trifft.

00:01:40: Voll genau das!

00:01:41: Und im Leitfaden wird da sehr deutlich gemacht Es geht bei diesen neuen dritten Orten auf dem Land überhaupt nicht um diese durchdesignte, perfekte High-End Architektur.

00:01:51: Das Wichtigste ist da die sogenannte Schaufensterwirkung.

00:01:55: Weil wenn so ein Ort zu markelos oder irgendwie hermetisch geschlossen wirkt dann entsteht da sofort eine unsichtbare psychologische Schwelle.

00:02:04: Ah okay!

00:02:05: Die Leute trauen sich einfach nicht rein?

00:02:08: Richtig... weil sie halt das Gefühl haben Sie gehören da gar nicht hin oder man erwartet von ihnen irgendein krasses kulturelles Vorwissen?

00:02:16: Das heißt also, man muss buchstäblich von außen durchs Fenster sehen können was da drin eigentlich passiert.

00:02:22: Um so diese Angst vor dem ... ja ich sag mal illiteren Kulturraum zu nehmen.

00:02:28: Ganz genau!

00:02:28: Wenn ich davon draußen sehe ach guck mal da trinken meine Nachbarn einfach nur einen Kaffee dann verschwindet die Barriere total.

00:02:35: Und daher kommt auch dieses Bahnhofsbeispiel vom Anfang der Generationenbahnhof Erlau.

00:02:40: Ja,

00:02:40: super Beispiel!

00:02:41: Die haben da nämlich so einen Bürgerbereich dann noch eine Seniorenpflege und eben die besagte Zahnarztpraxis unter einem einzigen Dach vereint.

00:02:50: Das ist ja quasi wie ein kulturelles Schweizer Taschenmesser.

00:02:53: Wie

00:02:53: meinst du das?

00:02:54: Naja, also vormittags ist es ein Seminarraum.

00:02:57: Nachmittags gibt's da Pflege oder das Dorfcafé und abends ist es dann eine Ausstellung?

00:03:01: Absolut

00:03:02: ja!

00:03:03: Das bricht halt diese ganzen Hemmschwellen im Alltag komplett auf.

00:03:07: Du gehst ganz normal zum Zahnarzt und stolpers dann auf dem Rückweg quasi unfreiwillig in so ne kleine Kunstausstellung.

00:03:14: rein

00:03:14: Mega gut.

00:03:15: Aber diese physische Zugänglichkeit durch die Schaufensterwirkung reicht doch eigentlich nicht, oder?

00:03:21: Also der allertollste Raum scheitert doch bestimmt total krachend wenn die lokale Bevölkerung diese Initiatoren als Fremdkörper wahrnimmt.

00:03:28: Oh ja definitiv!

00:03:29: Und da liefert der Leitfaden auch ein echt brillantes Bild nämlich das Reputation wie eine Währung funktioniert.

00:03:37: Okay, eine

00:03:38: Wärung?!

00:03:38: Ja Stell dir vor, du hast ein Bündel verschiedener Währungen in deiner Tasche und die musst du je nach Tür, die du gerade öffnen willst gezielt einsetzen.

00:03:47: Also einen Doktortitel oder so'n akademischer Jagon?

00:03:50: Das ist ne fantastische Währung um bei irgendwelchen Stiftungen Fördergelder zu beantragen!

00:03:55: Aber wenn ich jetzt mit diesem Jagon im Dorfgasthof auftauche dann ist das komplett die falsche Währungswährung,

00:04:00: richtig?!

00:04:00: Das wirkt einfach nur elitär und abgehoben.

00:04:02: Genau das!

00:04:03: Aber Moment mal... widerspricht sich das dann nicht total.

00:04:06: Also man will doch als Kulturstaater was Neues, was Frisches im Ort aufbauen aber man darf irgendwie durch Begriffe wie Pioniersarbeit oder so niemanden verschrecken weil dass ja den Status quo abwertet.

00:04:18: Das ist doch ein Paradoxon.

00:04:20: Ja das is ne Riesenfalle.

00:04:21: Wer da als der große Retter auftritt Der jetzt endlich mal Kultur ins Dorf bringt Der verliert sofort.

00:04:28: Du signalisierst damit ja implizit Euer bisheriges Leben hier auf dem Land war irgendwie wertlos

00:04:33: Und dann ist so eine Abwehrhaltung eher eigentlich auch vorprogrammiert.

00:04:36: Absolut!

00:04:37: Die wirklich harte Währung auf dem Land, das ist das lokale Wissen.

00:04:42: Wenn du die alltäglichen Probleme teilst also den ausfallenden Schulbus oder das fehlende Breitband Internet Dann schaffst du eine Ebene auf Augenhöhe.

00:04:50: Ah verstehe und erst durch diese geteilte Lebensrealität entsteht denn dieses echte Vertrauen im Dorf?

00:04:56: Ganz genau so ist es.

00:04:58: Okay.

00:04:59: Also nehmen wir mal an Wir haben all diese Hürden genommen Der Raum ist transparent.

00:05:04: Wir haben die Schaufensterwirkung, das Dorf vertraut uns.

00:05:08: Trotzdem spricht die Quelle ja von einer fast schon existenziellen Gefahr am Ende an der solche Projekte wohl reinweise sterben?

00:05:15: Ja und das ist die Realität des Ehrenamts.

00:05:18: Wenn alles an eines zu zwei hoch engagierten Leuten hängt dann ist der Burnout eigentlich nur noch eine Frage der Zeit.

00:05:26: Klar auf dem Land hängt es ja oft an diesen ganz wenigen Zugpferden sag ich mal Voll

00:05:31: Und wenn diese eine tragende Person dann wegbricht, sei es durch Krankheit oder Umzug, kollabiert oft das gesamte Projekt.

00:05:39: Und um dieses strukturelle Risiko aufzufangen – da braucht es harte Organisationsstrukturen!

00:05:44: Okay….

00:05:45: aber harte Strukturen?

00:05:46: Das klingt in so einer freien, kreativen Kulturszene doch bestimmt wie ein Schimpfwort,

00:05:51: oder?!

00:05:51: Tut's auch … ist aber letztendlich die einzige Überlebensversicherung für diese Projekte.

00:05:57: Das heißt, man braucht paradoxerweise starre fast bürokratische Strukturen um ein eigentlich total freies kreatives Projekt am Leben zu halten.

00:06:06: Genau!

00:06:07: Wahrscheinlich geht es da einfach darum Rollenglas klarzudefinieren.

00:06:11: also wer macht die Buchhaltung?

00:06:13: Wer schließt abends das Gebäule ab?

00:06:15: Wer putzt die Klos?

00:06:16: Weil ohne diese Klärung landet diese ganzen unliebsame Arbeit dieser administrative Arbeit immer wieder bei denselben zwei Personen bis sie dann halt unter der Last zusammenbrechen.

00:06:26: Richtig.

00:06:27: Diese ganzen unsexy Aufgaben, die müssen vertraglich oder eben strukturell so auf mehrere Schultern verteilt sein dass das Projekt völlig problemlos weiterläuft auch wenn die Gründer mal vier Wochen im Urlaub sind.

00:06:40: Harte Strukturen als Schutzschild für weiche Kultur Das ergibt absolut Sinn und ist irgendwie ein echt starkes Fazit für den Abschluss unserer Trilogie.

00:06:48: heute

00:06:49: Finde ich auch

00:06:49: Bevor wir das Ganze hier beenden haben wir noch einen Impuls für dich zu mitnehmen.

00:06:54: Stell dir doch mal ein leer stehendes Gebäude in deiner Nähe vor, welche alltägliche Nutzung also egal ob Bäckerei, Poststelle oder eine Praxis ließe sich da vielleicht mit einem Kulturprojekt kombinieren um das soziale Leben im Ort nochmal völlig neu zu erfinden?

00:07:10: Ein toller Gedanke!

00:07:11: Ja und wenn ihr dieser Deep Dive gefallen hat Dann empfehle uns echt wahnsinnig gerne an Freunde und Kolleginnen weiter.

00:07:19: Das war eine weitere Folge von Snacks, dem Snackable Podcast produziert von Ström New Audio Culture.

00:07:27: Schauen Sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.

00:07:30: bis zur nächsten Folge.

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