#087 Urban Design Thinking: Stadtentwicklung gemeinsam neu denken
Shownotes
Wir sprechen über den Leitfaden Urban Design Thinking (UDT) der Technische Universität Berlin. Die Methode zeigt, wie komplexe Herausforderungen der Stadtentwicklung – vom Klimawandel bis zur Mobilitätswende – gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern gelöst werden können.
Am Beispiel des Projekts Migrants4Cities in Mannheim wird deutlich, wie aus Empathie, Kreativität und interdisziplinärer Zusammenarbeit konkrete Lösungen für lebenswertere Städte entstehen. Urban Design Thinking versteht Beteiligung nicht als Anhörung, sondern als echte Ko-Kreation.
Was ihr mitnehmt:
- Was Urban Design Thinking von klassischer Bürgerbeteiligung unterscheidet.
- Wie nutzerzentrierte Stadtentwicklung funktioniert.
- Warum Prototypen ein wichtiger Bestandteil von Planungsprozessen sind.
- Wie Kommunen komplexe Herausforderungen innovativer lösen können.
… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://depositonce.tu-berlin.de/items/c9adb79b-9759-41eb-a5ef-94f6c812d3ca
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks, dem Snackable Podcast produziert von Ström New Audio Culture.
00:00:06: Stellen Sie sich doch mal vor der Oberbürgermeister so ein richtig wütender Anwohner und eine Stadtplanerin sitzen zusammen auf dem Fußboden und basteln mit Knete- und alten Papkartons ne Bushaltestelle.
00:00:17: Klingt ehrlicherweise erstmal nach Kindergarten oder?
00:00:20: Total ja aber das ist aktuell quasi die modernste Form der Stadtentwicklung.
00:00:26: Wir hatten ja in unserer letzten Folge zum Zukunftsreport Kreativwirtschaft schon intensiv über kreative Räume
00:00:31: gesprochen.
00:00:32: Mhm, richtig!
00:00:33: Unterstellt
00:00:33: sich ja die Frage wer gestaltet diese städtischen Räime eigentlich ganz konkret für die Menschen, die darin leben?
00:00:39: Also genau da setzen wir heute an.
00:00:41: Wir schauen uns nämlich diesen Leitfaden der TU Berlin zum Thema Urban Design Thinking an – kurz UDT Okay.
00:00:50: Das wurde unter anderem in Mannheim beim Projekt Migrants for Cities sehr erfolgreich angewendet, das Ziel ist simpel aber eigentlich total radikal nämlich weg von Stabberbürokratie und hin zu echter Co-Kreation.
00:01:03: Moment da hacke ich mal direkt ein.
00:01:05: also wenn hier bei uns um die Ecke eine Straße neu gemacht wird dann gibt es doch in der Regel schon so ne Art Bürgerbeteiligung.
00:01:11: warum brauchen wir jetzt plötzlich Pappe und Knete?
00:01:13: Ja Weil diese klassische Bürgerbeteiligung, die da im Baugesetzbuch steht, oft einfach nur so ein formeller Haken ist.
00:01:20: Der wird viel zu spät gesetzt!
00:01:21: Ah okay... Da sitzen dann Verwaltungen und Investoren am Tisch machen den Plan komplett fertig Und legen ihn dann quasi erst der Öffentlichkeit vor.
00:01:31: Die wirklich wichtigen Entscheidungen sind ja längst getroffen.
00:01:33: Das würde ich als Koch ein riesiges richtig teures Menü vorbereiten Den fertigen Teller servieren und den Gast erst fragen ob er überhaupt Fisch mag.
00:01:43: Exakt, ein super Vergleich!
00:01:45: Und beim Urban Design Thinking drehen wir das Rezept einfach um.
00:01:49: Die Stadt fragt nicht nur vorher sondern drückt den Menschen quasi direkt am Anfang die Pfanne in die Hand.
00:01:55: Wie genau funktioniert es dann?
00:01:57: Die Methode basiert auf diesen Design-Thinking Ansatz der Stanford University.
00:02:02: Man arbeitet mit Personas also so fiktiven Stellvertretern für ganz bestimmte Bedürfnisse Und dann baut man wahnsinnig schnell erste Prototypen.
00:02:11: Dabei gilt immer die Regel Ja und statt Ja.
00:02:15: aber, das ist ganz wichtig um dieses frühe Scheitern einfach mal zuzulassen.
00:02:20: Okay bleiben wir mal kurz bei der Praxis.
00:02:23: was bedeutet das konkret?
00:02:25: Sie hatten ja vorhin Mannheim erwähnt
00:02:26: Genau, dieses Projekt Migrants for Cities.
00:02:29: Dort hat man ziemlich schnell gemerkt dass die klassische Planung oft total an der Lebensrealität vieler Menschen vorbeigeht.
00:02:35: Inwiefern?
00:02:36: Naja in dem man Migranten da ganz intensiv in diesen UDT-Prozess einbezogen hat kamen völlig neue Perspektiven auf den Tisch.
00:02:44: zum Beispiel nutzen viele Kultur und öffentliche Plätze viel intensiver als so eine Art erweitertes Wohnzimmer
00:02:49: für große Familienzusammenkünfte.
00:02:51: Genau,
00:02:52: das heißt der tatsächliche Bedarf an bestimmten Sitzgelegenheiten oder Freiräumen ist ein ganz anderer als es diese Standarddien-Norm von so einer Verwaltung eigentlich vorsieht.
00:03:03: Wenn der Stadtkammerer da plötzlich Straßenmodelle aus Schuhkartons klebt?
00:03:15: Ja, genau.
00:03:15: Hier liegt der psychologische Trick bei der Sache!
00:03:18: Weil Pappe billig und unfertig aussieht, schreckt sie niemanden ab...
00:03:23: Ach so.
00:03:24: ...wenn Sie einem aufgebrachten Anwohner ein sündhaft teures drei-D gedrucktes Architekturmodell hinstellen Dann traut er sich gar nicht, das anzufassen.
00:03:33: Stimmt ja!
00:03:34: Das schichtert eher ein?
00:03:35: Absolut!
00:03:35: Aber bei so einem Karton greift der sofort zur Schere und zerschneidet den um zu zeigen wo der Radweg hin muss.
00:03:42: So'n gebasteltes Modell reißt Hierarchien einfach sofort ein.
00:03:46: Von nem Pappkarton sind der Bürgermeister und der Anwohner völlig gleich.
00:03:50: Es zwingt alle dazu Nutzerzentriert also Human Central zu denken.
00:03:55: Zeigen Nicht nur Erklären.
00:03:58: So jetzt haben die beiden da diese Papputopie gebaut, aber in dem Moment wo die zurück in die echte Welt gehen, da wartet doch wieder der ganz normale Behördenwahnsinn.
00:04:07: Ja das stimmt!
00:04:08: Wie verhindert man denn dann dass diese kreative Energie einfach im nächsten Ausschuss komplett verpufft?
00:04:13: Hier greift dann das Kernstück des Ganzen ein – das nennt sich Psychological Ownership also psychologisches Eigentum.
00:04:20: Was genau heißt
00:04:21: das?!
00:04:22: Das Ziel dieser Workshops ist nämlich gar nicht primär, da sofort die perfekte Straße zu bauen.
00:04:27: Das heimliche Ziel ist es interne Lobbyisten zu erschaffen.
00:04:31: Okay wie meinen Sie das?
00:04:33: Na wenn die Verwaltungsbeamtin selbst den Klebestift in der Hand hatte und das Modell mitentwickelt hat dann ist es eben nicht mehr nur der Antrag von irgendeinem Fremden auf ihrem Schreibtisch
00:04:42: sondern ihr eigenes Projekt.
00:04:44: ganz genau sie wird intern in der Behörde viel härter dafür kämpfen weil die Idee plötzlich allen gehört die da zusammen dran gebastelt haben.
00:04:51: Das klingt in der Theorie echt super, aber ist diese Ownership dann nicht am Ende einfach nur ein kluger Trick?
00:04:59: Also man gibt den Leuten das Gefühl wichtig zu sein damit sie danach nicht mehr gegen das Bauprojekt klagen.
00:05:05: Nein überhaupt nicht!
00:05:07: Das funktioniert in der Realität auch nur mit einem absolut transparenten Erwartungsmanagement.
00:05:12: Den Bürgern muss von Minute eins an wirklich klar sein dass nicht jede wilde Idee direkt morgen finanziert werden kann.
00:05:20: Klar
00:05:21: Aber wenn diese Hürde genommen ist, dann hebelt diese gemeinsame Urheberschaft den typischen bürokratischen Veto-Prozess aus.
00:05:28: Die Verwaltung arbeitet nicht mehr gegen die Bürger sondern mit ihnen an einer gemeinsamen Vision.
00:05:34: Urban Design Thinking macht Stadtbewohner also quasi von passiven Konsumenten zu aktiven Mitgestaltern.
00:05:42: Absolut
00:05:42: richtig zusammengefasst!
00:05:44: Wenn Sie heute mal durch Ihre eigene Straße gehen, dann fragen sie sich doch vielleicht mal wessen konkrete Bedürfnisse.
00:05:50: Also welcher fiktiven Persona werden hier eigentlich gerade völlig übersehen?
00:05:54: Eine gute Frage zum Nachdenken!
00:05:56: Auf jeden Fall und wenn Ihnen diese gemeinsame Erkundungstour gefallen hat, dann empfehlen Sie unseren Podcast doch sehr gerne an Freunde und Kollegen weiter.
00:06:05: Das war eine weitere Folge von Snacks dem Snackable Podcast Produziert von Ström New Audio Culture.
00:06:12: Schauen Sie gerne die Shownotes für weitere Infos zu unserem Thema, bis zur nächsten Folge!
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