#081 mowe Festival: Wenn Kunst den Stadtraum verändert

Shownotes

Wir sprechen über das mowe Festival für Kunst und Stadtkultur, das im Mai 2026 in den Berliner Ortsteilen Moabit und Wedding stattfindet. Unter dem Leitthema „Icons“ bringt das Festival Kunst, Performance und gesellschaftlichen Dialog an insgesamt 47 Orte im öffentlichen Raum.

Gemeinsam mit der künstlerischen Leitung von POLIGONAL werfen wir einen Blick auf die Frage, wie Kunst marginalisierte Perspektiven sichtbar machen und Nachbarschaften stärken kann. Ergänzend sprechen wir über die Ausstellung Midnight Zone des Künstlers Julian Charrière im Kunstmuseum Wolfsburg.

Was ihr mitnehmt:

  • Wie Kunst den öffentlichen Raum aktivieren kann.
  • Warum Kultur ein wichtiger Baustein der Stadtentwicklung ist.
  • Welche Rolle Festivals für gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen.
  • Wie neue Netzwerke zwischen Kunst und Nachbarschaft entstehen.

… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.kunst-im-stadtraum.berlin/de/mowe-festival

🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks dem Snackable-Podcast.

00:00:03: Produziert von Ström New Audio Culture, also stellen Sie sich mal vor sie stehen an einem ganz gewöhnlichen Dienstag auf so nem tristen Supermarktparkplatz ja mitten im Berliner Wedding.

00:00:14: Ja

00:00:15: alltag pur eigentlich.

00:00:16: Genau!

00:00:16: Alltag pur.

00:00:18: und plötzlich zack befinden sie sich mitten in einer hochkarätigen Kunstausstellung.

00:00:24: das ist nämlich heute unsere Mission.

00:00:26: Wir schauen uns an, wie zeitgenössische Kunst den traditionellen Rahmen komplett sprengt.

00:00:32: Um eben das unsichtbare sichtbar zu machen?

00:00:35: Richtig!

00:00:36: Weil Kunst in so klassischen Museen zu betrachten – Das hat für mich oft fast etwas von einem Zoobesuch.

00:00:43: Oh, das ist ein interessanter Vergleich.

00:00:45: Wie genau meinen Sie

00:00:46: das?!

00:00:46: Naja es ist alles wunderschön ausgeleuchtet und perfekt kuratiert aber eben komplett isoliert von seiner natürlichen Umgebung.

00:00:53: Ah ich verstehe ja da ist was dran.

00:00:56: Und heute schauen wir uns eben die Kunst mal in, ich nenn's einmal freier Wildbahn an.

00:01:01: Wir haben da zwei super spannende Quellen.

00:01:04: Einmal das Berliner Mauve Festival vom Mai-Zweißtausendsextenzwanzig und dann die Ausstellung Midnight Zone von Julien Charrier im Kunstmuseum Wolfsburg.

00:01:14: Lassen Sie uns doch direkt mal in die Stadt eintauchen!

00:01:17: Dieses Mauwe-Festival wird ja vom Büro Polygonal kuratiert.

00:01:21: Das sind Christian Heidt und Lukas Staudinger, richtig?

00:01:24: Ganz genau!

00:01:25: Und die nehmen sich eben die Berliner Stadtteile Moabit und Wedding vor – daher auch der Name Mauwe.

00:01:31: Das Kernthema ist dabei Icons

00:01:33: Wobei Icons da ein bisschen in die Irre führen kann.

00:01:37: oder wir reden nicht über unnahbare Popstars?

00:01:40: Ne, absolut nicht.

00:01:41: Die Icons sind hier also ganz explizit queere.

00:01:44: Identitäten, FLNTA Personen, also Frauen lesben intergeschlechtliche Lichtbinäre trans und agenda-Personen und eben buchstäblich die Nachbarn von nebenan

00:01:53: finde ich wahnsinnig spannend.

00:01:55: Vor allem weil das ganze Jahr an, ich glaube, siebenundviertzig völlig alltäglichen Orten passiert?

00:02:00: Ja, dass ist schon eine massive Zahl an Locations!

00:02:03: Total!

00:02:04: Da gibt es dann Dragshows direkt auf dem Charité Campus Wirtschafts- oder Kunstausstellungen in ganz kleinen Nachbarschaftsläden.

00:02:12: Ich habe sogar von Paul Dance auf den Dach des ZKU gelesen.

00:02:15: Ja, das bricht die Seegewohnheiten komplett auf.

00:02:18: Für

00:02:18: mich klingt das irgendwie wie so ne riesige obane Schnitzeljagd.

00:02:22: Da frage ich mich natürlich, kann durch diese Praxis nicht theoretisch jeder gewöhnliche Parkplatz irgendwie ikonisch werden wenn man ihn nur richtig bespielt?

00:02:30: Also genau das ist eigentlich der Mechanismus dahinter.

00:02:34: Die Architektur selbst übernimmt hier quasi die Rolle der Kuration.

00:02:38: Ah okay!

00:02:39: Die Macher holen die Kunst ganz bewusst aus diesen geschlossenen oft ja auch elitären Institutionen heraus um

00:02:45: sie zugänglicher zu machen.

00:02:47: Genau Es geht darum marginalisierte Perspektiven wirklich mitten im Alltag zu platzieren.

00:02:53: Das verändert ja sofort die Art und Weise, wie wir unsere eigene Umgebung lesen und wahrnehmen.

00:02:59: Ja das macht total Sinn!

00:03:00: Und in unseren geleitschaftlich doch stark polarisierten Zeiten schaffen solche Formate einfach auch langfristige Netzwerke in den Vierteln.

00:03:08: Der stetische Raum wird nicht nur – naja – bespielt er wird quasi von der Gemeinschaft zurückerobert.

00:03:14: Das ist ein schönes Bild also die grenzenlose Stadt als Museum.

00:03:19: Wenn wir jetzt aber auf Julian Charière schauen, der geht in Wolfsburg ja den exakt umgekehrten Weg oder?

00:03:26: Ja das kann man so sagen.

00:03:27: Das ist ein extremer Kontrast!

00:03:29: Er sperrt ja quasi die unendliche für uns eigentlich völlig unzugängliche Weite der Tiefsee in einen geschlossenen Raum ein

00:03:37: In einem sehr großen Raum allerdings.

00:03:39: er bringt diese sogenannte Midnight Zone in eine riesige Halle.

00:03:43: Die ist vierzig mal vierzig Mal sechszehn Meter groß.

00:03:46: Wahnsinn dass es ja riesig

00:03:48: Absolut.

00:03:49: Und er nutzt dafür Aufnahmen von speziellen Unterwasserdrohnen, die projiziert er dann durch ausgemusterte Leuchtturmlinsen.

00:03:56: Okay und das heißt man steht da wirklich im Dunkeln?

00:03:59: In der totalen Dunkelheit ja!

00:04:01: Und dadurch macht er diese biolumineszenten Fische und gigantischer Heihe sichtbar.

00:04:06: Er zieht uns da tief hinab in eine Welt, die wir als normale Menschen sonst nie zu Gesicht bekämen.

00:04:11: Das ist ja extrem multisensorisch aufgebaut, also mit Bildern aus echten Korallenpigmenten was ich krass finde und so eine richtig vielschichtigen Soundkulisse.

00:04:22: Ohja der Sound ist absolut zentral!

00:04:24: Er mischt da verschiedene Schichten

00:04:26: Aber da geht es ja um mehr als nur um faszinierende Bilder und coole Sounds, richtig?

00:04:31: Da steckt doch ne Warnung dahinter

00:04:32: Ganz genau.

00:04:33: wir müssen da unbedingt auf das so herum schauen.

00:04:36: Diese Ausstellung warnt explizit vor dem Tiefseebergbau in der Clarion-Klippertenzone.

00:04:41: Das ist empathiefrik, oder?

00:04:42: Richtig.

00:04:43: Und das ist momentan das Epizentrum eines völlig unregulierten globalen Wettlaufs.

00:04:50: Da liegen Manganknollen am Meeresgrund und die stecken voller Wertvoller Batteriemetalle.

00:04:55: Also Rohstoffe für die Energiewende!

00:04:57: Genau

00:04:58: da treffen massive geopolitische und wirtschaftliche Interessen aufeinander.

00:05:02: Auch politische Akteure wie zum Beispiel Donald Trump melden da handfeste Ansprüche an, um sich diese Rohstoffe für die Zukunft zu sichern.

00:05:09: Okay!

00:05:10: Also ein richtiger Kampf um den Meeresboden?

00:05:12: Exakt und Chariaire macht diesen Konflikt eben auch hörbar – wie vorhin erwähnt dieser Sound.

00:05:18: Er mischt Geophonie also die natürlichen Geräusche der Erde mit Bio-Phonie den Tierlauten.

00:05:23: Und was ist dann der menschliche Einfluss dabei?

00:05:25: Das

00:05:26: nennt sich Anthropophonie.

00:05:27: Das ist dieser gewaltige menschengemachte Lärm der Industriemaschinen, die das Ganze dann durchschneidet.

00:05:33: Okay!

00:05:34: Das klingt unglaublich intensiv aber da muss ich jetzt mal kritisch nachhaken.

00:05:38: Gerne!

00:05:39: Lenkt denn eine so extrem überwältigende multisensorische Erfahrung?

00:05:43: Ich meine man liegt da am Ende auf einer riesigen Kissenlandschaft im Dunkeln.

00:05:48: Lenkt es nicht eigentlich von diesen harten geopolitischen und wissenschaftlichen Fakten ab?

00:05:52: Das ist ne gute Frage... Aber nackte Frakten und Statistiken reichen beim Thema Umweltschutz oft einfach nicht aus.

00:06:00: Die erreichen uns nicht mehr.

00:06:01: Weil wir schon zu abgestumpft sind?

00:06:03: Ja, ansteht weit schon!

00:06:04: Chariers-Ansatz basiert eben darauf, dass wir die unglaubliche Fragilität dieser fremden Welten erst einmal emotional spüren müssen.

00:06:12: Wir müssen also quasi selbst erstmal

00:06:14: abtauchen.

00:06:15: Richtig!

00:06:16: Wir müssen von der Schönheit regelrecht überwältigt werden um überhaupt einen inneren Drang zu entwickeln, das Ganze auch schützen zu wollen.

00:06:24: Ah, verstehe!

00:06:25: Die sensorische Überwältigung ist hier also absolut keine Ablenkung – sie ist eigentlich der emotionale Anker für diese sehr harten Fakten.

00:06:34: Wow okay….

00:06:36: wenn Kunst wirklich in der Lage ist eine simple laute Straße in Berlin oder eben den tiefsten dunkelsten Meeresgrund in so einen Raum für kollektives Nachdenken verwandeln Dann stellt sich mir da eigentlich eine ganz praktische Frage für Sie.

00:06:50: Da bin ich gespannt!

00:06:51: Welcher völlig unscheinbarer Ort in Ihrer eigenen Nachbarschaft wartet eigentlich nur darauf, durch sie einmal so richtig ikonisch aufgeladen zu werden?

00:07:00: Das ist wirklich ein wunderbarer Gedanke, den man mal mitnehmen sollte.

00:07:03: Finde

00:07:03: ich auch

00:07:04: und falls Ihnen dieser kleine Ausflug in die verborgenen Welten der Kunst gefallen hat empfehlen Sie unseren Podcast doch sehr gerne an Wissensdurstige Freunde weiter.

00:07:13: Das war eine weitere Folge von Snacks, dem Snackable Podcast produziert von Ström New Audio Culture.

00:07:21: Schauen Sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema!

00:07:25: Bis zur nächsten Folge.

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