#080 Vom Bowlingtreff zum Naturkundemuseum: Leipzig baut unterirdisch um

Shownotes

Wir sprechen über die Transformation des Bowlingtreff Leipzig am Wilhelm-Leuschner-Platz. Das Bauwerk, ursprünglich als unterirdisches Umspannwerk errichtet und später als Freizeiteinrichtung genutzt, gilt heute als bedeutendes Zeugnis der DDR-Postmoderne.

Nach Jahren des Leerstands entsteht hier ein neues Naturkundemuseum, geplant vom Büro Weiß & Volkmann. Der Entwurf setzt auf den Erhalt der historischen Zeitschichten und nutzt die besondere Atmosphäre der unterirdischen Räume als identitätsstiftende Qualität.

Was ihr mitnehmt:

  • Warum der Bowlingtreff ein architektonisches Unikat ist.
  • Wie Bestandsgebäude durch sensible Umnutzung neue Bedeutung gewinnen.
  • Welche Chancen unterirdische Räume für die Stadtentwicklung bieten.
  • Warum der Erhalt von Bauwerken der DDR-Postmoderne zunehmend an Bedeutung gewinnt.

… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.leipzig.de/kultur-und-freizeit/kultur/bauprojekte-kulturamt/neues-naturkundemuseum

🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks dem Snackable Podcast, produziert von Ström New Audio Culture.

00:00:07: Stellen Sie sich mal vor, sie stehen auf einem scheinbar völlig leeren Kagenplatz mitten in Leipzig.

00:00:13: Also genauer gesagt im Wilhelm-Leuchner Platz.

00:00:16: unter ihren Füßen vermuten sie da vielleicht ein paar alte Rohre oder so, ein paar Stromkabel.

00:00:23: aber wir tauchen heute Mal im wahrsten Sinne tief ab.

00:00:27: Ganz tief,

00:00:27: ja?

00:00:28: Genau!

00:00:28: Nämlich fünfzehn Meter tiefer – da existiert eine gewaltige verborgene Welt.

00:00:33: und für unsere heutige Analyse schauen wir uns an wie aus einem alten Stromumspannwerk der Zwanzigerjahre erst so eine rebellische DDR-Freizeitstätte wurde und wie sich das Ganze jetzt in ein hochmodernes Naturkundemuseum verwandelt.

00:00:48: Ja und das Verrückte ist ja die Dimensionen da unten, die sind absolut gigantisch.

00:00:52: Wir reden hier von einer hundertvierzig Meter langen Halle, die damals metertief in den Boden gegraben wurde.

00:00:59: Hundertvierzig Meter?

00:01:01: Wahnsinn!

00:01:02: Ja total also.

00:01:03: das war für die rasant wachsende Industrie statt gedacht um die halt zuverlässig mit Strom zu versorgen ein Raum von unglaublicher technischer Präzision.

00:01:14: Wenn ich mir jetzt diese ganzen Quellen und Baupläne ansehe, erinnert mich das irgendwie an eine architektonische Matroschka-Puppe.

00:01:23: Oh ja!

00:01:23: Das ist ein Superbild dafür

00:01:24: oder?

00:01:25: Also jede Epoche fügt da so ne völlig unerwartete Schicht hinzu.

00:01:31: Also wirklich in der Spätphase der DDR wird dieses alte industrielle Relikt dann plötzlich zu einem Bowling-Treff.

00:01:39: Richtig, mit so einen markanten achtäktigen Eingangsgebäude oben drauf!

00:01:43: Genau und unten entstehen vierzehn Bowlingbahnen mit rosa Säulen und pastelfarbenen Flächen.

00:01:51: aber halt da muss ich jetzt mal kurz kritisch nachhaken ein postmodernes Freizeitprojekt also mit rosasäulen mitten in der DDR?

00:02:00: Ja.

00:02:00: Ich dachte immer, da war baulich eigentlich alles streng zentral und komplett vom Staat durchgeplant.

00:02:06: Genau das macht diese Geschichte ja so absurd und auch spannend!

00:02:10: In der offiziellen Zentralplanung der Regierung existierte dieser Bau überhaupt nicht.

00:02:15: Wie gar

00:02:16: nicht?!

00:02:16: Nein...

00:02:17: Das war ein sogenannte Nichtbilanzierter-Bau

00:02:20: Also quasi ein riesiger Schwarzbau direkt unter der Nase des Staates?

00:02:25: Eine gnadenlos ausgenutzte Grauzone kann man sagen.

00:02:28: Die lokale SED-Bezirksleitung in Leipzig, die wollte das Projekt unbedingt aber sie hatten halt kein offizielles Budget dafür.

00:02:36: Also haben Sie es einfach trotzdem gemacht?

00:02:38: Genau!

00:02:38: Man hat das auf dem Papier sozusagen als unterirdische Netz Instanthaltung getan.

00:02:44: Ist ja genial

00:02:45: Ja Und niemand vom Zentralen Planungskomitee Drümm in Berlin ist da extra in den Leipziger Dreck geklettert, um das zu überprüfen.

00:02:51: Das

00:02:51: heißt die haben da einfach heimlich gebuddelt?

00:02:53: Mit purem Pragmatismus und ziemlichen Skibereien von Baumaterial!

00:02:58: Vor allem mit tausenden Stunden unbezahlter Arbeit von Freiwilligen hat man sich diese Bowling-Bahn regelrecht erkämpft.

00:03:04: Verrückt?!

00:03:05: Und dieses achteckige Gebäude oben, das funktionierte für den Architekten Winfried Zigo.

00:03:10: Leid dabei wie eine Laterne.

00:03:12: Auf diesem riesigen, dunklen Platz stiftete das plötzlich Licht und so etwas wie Orientierung.

00:03:17: Okay also sie haben da heimlich dieses bunte, riesige Freizeitzentrum in den Boden betoniert.

00:03:23: aber was passiert denn dann mit einem Gebäude dass auf so Tricksereien- und freiwilligem Arbeit basiert werden?

00:03:29: Naja, neunzehundertneunachtzig die Mauer fällt!

00:03:32: Dann verliert es logischerweise seinen Zweck.

00:03:35: In den letzten Jahren war dann endgültig Schluss mit dem Bowling da unten.

00:03:39: Ah, okay!

00:03:40: Es folgte jahrelanger Leerstand und Wanderlismus.

00:03:45: Das Gebäude verfiel zu sehen – es wurde zu so einem typischen Terrainweg.

00:03:51: Also so eine städtische Brachfläche, wo keiner mehr so genau weiß wem das eigentlich gehört.

00:03:56: Genau richtig oder was man halt überhaupt damit anfangen soll?

00:03:59: Ja und da setzt dann quasi der nächste Akt an für alle die zuhören wir sprechen jetzt über die Gegenwart.

00:04:06: Das Architekturbüro Weiß-und-Volkmann verwandelt diese verlassene Betonkathedrale jetzt nämlich in das neue Naturkunde Museum Leipzig.

00:04:14: Wichtig Ein gigantisches Projekt.

00:04:16: Aber wie genau macht man das?

00:04:19: Ohne die rauhe Seele von diesem Ort einfach komplett wegzusanieren?

00:04:22: Naja, indem an dem Bestand eben gerade nicht glatt bügelt!

00:04:26: Die Architekten nutzen wirklich diese extrem robuste Technik des Altbaus also die metadicken Wände diesen ganzen industriellen Charme.

00:04:34: Der absolut genialste Schachzug ist aber ein neuer vertikaler Raumspalt

00:04:38: Ein Raumspalt, wie muss ich mir das vorstellen?

00:04:41: Sie brechen quasi Teile der Decken auf um diese extreme Tiefe des Bauwerks sofort wenn man reinkommt physisch spürbar zu machen und das neue Museumskonzept greift das perfekt auf.

00:04:52: Das heißt der Rundgang führt die Besucher buchstäblich Meter für Meter in die Tiefe hinab.

00:04:57: Exakt immer weiter runter!

00:04:59: Bis der Weg ganz unten dann in einer inszenierten Tiefsee Expedition gipfelt.

00:05:04: also dass ist ja unfassbar poetisch wenn man mal drüber nachdenkt.

00:05:08: Total, ja.

00:05:09: Ein Museum das uns die Evolution und die Erdgeschichte erklärt zieht ausgerechnet in ein Gebäude dass selbst wie so'n geologischer Schnitt durch die Geschichte Leipzig's wirkt?

00:05:21: Absolut schön zusammengefasst!

00:05:23: Das Gebäud ist eben nicht länger nur so eine sterilite Hülle für Ausstellungsstücke.

00:05:30: es wird quasi selbst zum allerersten Exponat.

00:05:33: Es zeigt uns seine eigene Geschichte.

00:05:36: Genau.

00:05:37: Es zeigt uns, dass alte Bausubstanz keine Last sein muss sondern eine enorme Ressource ist.

00:05:44: Man steigt hinab durch die Lagen aus alter Stromtechnik dann vorbei an den verblassten Rosaseulern der Bowling-Era bis hinunter zu den Anfängen des Lebens im tiefsten Ozean.

00:05:58: Wow!

00:06:00: Das bringt mich echt zu einem wirklich provokanten Gedanken für Sie wenn sie das nächste Mal durch ihre eigene Stadt laufen.

00:06:06: Da gibt es bestimmt einiges zu entdecken.

00:06:08: Definitiv!

00:06:10: Wenn so ein unsichtbares vergessenes Umspannwerk so viele völlig verrückte Leben haben kann, welche anderen übersehenden Infrastrukturruinen direkt unter unseren Füßen warten dann wohl noch auf ihr nächstes glorreiches Kapitel?

00:06:26: Wahrscheinlich viel mehr als wir ahnen – also das wahre Potenzial unserer Städte liegt wirklich oft sehr gut getarnt im Verborgenen.

00:06:34: Wenn Ihnen diese architektonische Entdeckungsreise gefallen hat, empfehlen Sie unseren Podcast sehr gerne an Freunde und Kollegen weiter.

00:06:42: Das war eine weitere Folge von Snacks – dem Snackable-Podcast produziert von Ström New Audio Culture.

00:06:49: Schauen sie gerne in die Shownotes für weitere Infos zu unserem Thema!

00:06:53: Bis zur nächsten Folge.

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