#079 Supergrätzl: Wie Wien seine Quartiere klimafit macht

Shownotes

Wir sprechen über das Konzept der Supergrätzl in Wien – ein innovatives Instrument zur Transformation dicht besiedelter Wohngebiete in lebenswerte und klimaresiliente Nachbarschaften.

Durch die Neuorganisation des Verkehrs wird der motorisierte Durchgangsverkehr reduziert und mehr Raum für Menschen geschaffen. Die frei werdenden Flächen werden begrünt, entsiegelt und für Begegnung, Erholung und aktive Mobilität genutzt. So entstehen kühlere, sicherere und sozialere Stadträume direkt vor der Haustür.

Was ihr mitnehmt:

  • Wie Verkehrsberuhigung die Lebensqualität im Quartier verbessert.
  • Warum Entsiegelung und Begrünung zentrale Bausteine der Klimaanpassung sind.
  • Welche Kriterien bei der Auswahl von Supergrätzl eine Rolle spielen.
  • Wie Stadtplanung Gesundheit, Mobilität und Gemeinschaft zusammenbringen kann.

… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://smartcity.wien.gv.at/wp-content/uploads/sites/3/2022/08/Supergraetzl_Infobroschuere-1.pdf

🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks, dem Snackable Podcast produziert von Ström New Audio Culture.

00:00:06: Stellen Sie sich doch mal vor der heiße Asphalt vor Ihrer Haustür wird quasi über Nacht aufgebrochen

00:00:12: und plötzlich wachsen da überall Bäume?

00:00:14: Genau!

00:00:15: Die ganzen endlosen Autokolonn verschwinden einfach weg und ein schattenspendender Baum steht neben dem anderen.

00:00:21: Das ist schon eine ziemlich radikale Transformation Total.

00:00:24: Und genau das passiert gerade mitten in Wien.

00:00:27: Wir schauen uns heute nämlich die offizielle Infobroschüre der Stadt zum Thema Super Gretzel

00:00:32: an.

00:00:33: Ein wirklich spannendes Thema, vor allem weil unsere Mission heute ist herauszufinden wie dicht bebaute Städte den öffentlichen Raum komplett umkrempeln.

00:00:44: Um eben der Klimakrise zu trotzen und ganz wichtig die Lebensqualität für sie spürbar zu erhöhen – ohne Fachschaggon versprochen!

00:00:52: Bevor wir da jetzt aber tief in die Mechanik eintauchen, also wie das genau funktioniert müssen wir vielleicht kurz klären worüber wir hier überhaupt sprechen.

00:01:00: Was ein Gretzel ist.

00:01:01: Stimmt!

00:01:02: Das ist ja ein sehr wienerischer Begriff.

00:01:03: Genau.

00:01:04: Also Gretzl is im Grunde der Wienerausdruck für einen Häuserblock oder eben... dass direkte Wohnumfeld.

00:01:09: Also

00:01:10: eine kleine Nachbarschaft sozusagen?

00:01:11: Richtig und ein Supergrätzel fasst dann gleich mehrere dieser Häuserblöcke zusammen, das ist eine Größenordnung die massiv genug ist um wirklich das Mikroklima zu verändern aber

00:01:23: halt noch klein genug um diese lokale Identität nicht zu verlieren oder?

00:01:26: Exakt genau darum geht es.

00:01:28: ich finde ja wenn man sich unsere klassischen Straßen heute so ansieht die funktionieren doch eigentlich Eher wie so ein Flur in einer Wohnung.

00:01:36: Ein Flur?

00:01:37: Ja, das ist ein ziemlich guter Vergleich!

00:01:39: Man hext da einfach nur schnell durch um von A nach B zu kommen.

00:01:43: Ich meine niemand stellt sich freiwillig einen Sessel in den Hausflur.

00:01:47: Höchstens mal kurz den Müllsack ja.

00:01:49: Eben

00:01:50: und das Supergrätzelkonzept will diesen tristen Flur jetzt quasi in ein gemeinsames Wohnzimmer verwandeln für die ganze Nachbarschaft.

00:01:59: Und die Notwendigkeit dafür, die geht halt weit über reine Verkehrsberuhigung hinaus.

00:02:03: Also wir sprechen hier von knallharter Klimaanpassung

00:02:06: Weil unsere Städte ja fast nur aus Beton und Asphalt bestehen.

00:02:11: Richtig!

00:02:12: Und diese Materialien sprechen tagsüber die extreme Sonnenstrahlung... ...und nachts strahlen sie diese Hitze dann wieder ab

00:02:18: sodass diese typischen urbanen Hitzeeinseln entstehen.

00:02:22: Ganz genau!

00:02:23: Wenn wir diesen Teufelskreis durchbrechen wollen, müssen wir entziegeln und massiv begrünen.

00:02:28: Also Bäume pflanzen?

00:02:29: Ja –

00:02:30: denn Bäume kühlen durch Verdunstung aber dafür brauchen sie Platz.

00:02:33: Platz den im Moment fast ausschließlich Autos beanspruchen?

00:02:37: Leider ja...

00:02:38: Aber moment wenn der Platz jetzt für Bäume gebraucht wird dann heißt das ja im Umkehrschluss die Autos müssen weichen Da schrillen bei vielen sicher sofort die Alarmglocken.

00:02:47: Das ist immer die allererste Reaktion, ja?

00:02:50: Ich meine wenn mein Viertel plötzlich zum Super-Gretzel wird heißt das dann ich kann nach einem Großeinkauf nicht mehr vor meiner eigene Haustür fahren.

00:02:57: Nein, nein.

00:02:58: Da kann ich Entwarnung geben.

00:02:59: Also jeder der Zwingend in das Gebiet muss, der kommt auch weiterhin ans Ziel.

00:03:02: Also Anreiner die Müllabfuhr, Rettungswagen, Lieferdienste und so weiter?

00:03:06: Genau die!

00:03:07: Der entscheidende Eingriff richtet sich nämlich fast ausschließlich gegen den Durchzugsverkehr.

00:03:12: Ah

00:03:12: also die Leute, die das Wohnviertel nur als schnelle Abkürzung nutzen?

00:03:15: Exakt.

00:03:16: Aber wie filtert man das denn physisch heraus?

00:03:19: Also wer da nur durchfahren will und wer wirklich dort wohnt?

00:03:23: Man kann ja nicht an jede Ecke eine Schranke mit Fördner aufstellen.

00:03:26: Das wäre auch ein bisschen absurd.

00:03:28: Nein, man macht das durch eine clevere Neuordnung der Verkehrsführung.

00:03:33: Aha wie genau?

00:03:34: Vor allem durch sogenannte Diagonalfilter.

00:03:37: Stellen Sie sich einfach mal eine klassische Kreuzung in so einem Wohnviertel vor.

00:03:40: Okay habe ich!

00:03:41: Bisher konnte man da mit dem Auto einfach gerade aus drüber brettern.

00:03:45: Jetzt platziert man aber diagonal über diese Kreuzungen eine Barriere.

00:03:49: Was für eine Barrière?

00:03:50: Naja zum Beispiel große Pflanzkästen oder eben Poller.

00:03:54: Fahrräder und Fußgänger können da an den Seiten problemlos passieren.

00:03:58: Aber

00:03:58: ein Auto eben nicht!

00:03:59: Genau, ein Auto stößt auf die Barriere... ...und wird dann gezwungen abzubiegen Und muss das Viertel wieder verlassen.

00:04:05: Verstehe.

00:04:07: Man kann also von außen zu jedem Haus fahren Aber man kann das Viertel mit dem Auto nicht mehr durchqueren.

00:04:13: Richtig!

00:04:14: Das zwingt den Pendlerverkehr dann zurück auf die großen Hauptverkehrsstraßen,

00:04:19: da wo er ja eigentlich auch hingehört.

00:04:21: und im Inneren des Gretzels entsteht dadurch ein ganz neuer ruhigerer lokaler Rhythmus

00:04:27: weil der Lärm und die Gefahr durch die schnellen Autos einfach wegfallen.

00:04:30: genau und dann gehen die Menschen auch wieder mehr zu Fuß oder fahren Rad.

00:04:35: Das stärkt die lokale Wirtschaft enorm

00:04:37: klar weil wieder echte Laufkundschaft da ist.

00:04:40: Da wächst dann quasi organisch diese Idee der fünfzehn Minuten Stadt heran.

00:04:43: Wo man dann Bäcker, Arzt und den Supermarkt sicher auf kurzen Wegen erreichen kann ja?

00:04:48: Aber wer entscheidet dann eigentlich wo genau dieser Bäcker seine Tische rausstellen darf oder wo die neuen Bäume gepflanzt werden?

00:04:56: Das ist eine extrem wichtige Frage!

00:04:58: Weil wenn die Stadtverwaltung da einfach einen fertigen Bauplan über ein Viertel stülpt... Dann isst er Ärger mit den Anwohnern.

00:05:06: doch meistens vorprogrammiert,

00:05:08: oder?!

00:05:08: Ohja absolut….

00:05:10: Aber

00:05:10: die Macher der Broschüre haben aus genau solchen Fehlern der Vergangenheit gelernt.

00:05:14: Zum Glück!

00:05:15: Der Fall setzen sie auf eine sogenannte Pilotphase, der Raum wird dazu erstmal nur temporär verändert und zwar mit sehr einfachen Mitteln.

00:05:24: Reden wir da von diesen bunten, aufgemalten Mustern auf dem Asphalt oder diesen mobilen Holsterrassen, den man im Sommer

00:05:30: aufzieht?

00:05:31: Genau sowas – es geht da wirklich um ein greifbares Ausprobieren.

00:05:35: Weil abstrafte Pläne die Leute eher abschrecken…

00:05:37: Ja, wenn man den Menschen nur Baupläne zeigt sehen sie oft nur das was ihnen weggenommen wird.

00:05:43: Also meistens den Parkplatz.

00:05:45: Stimmt!

00:05:46: Der Parkplatz ist heilig.

00:05:47: Wenn man den Raum aber physisch und temporär umgestaltet dann wird der Mehrwert sofort erlebbar.

00:05:54: Plötzlich spielen da Kinder auf der Straße

00:05:56: Und Nachbarn trinken zusammen Kaffee.

00:05:58: Genau Das baut Vorbehalte extrem effektiv ab.

00:06:03: Das leuchtet ein...

00:06:04: ...und der vielleicht wichtigste psychologische Effekt dabei ist dass diese Veränderung direkt auf der Straße passiert.

00:06:10: Was meinen Sie damit genau?

00:06:12: Naja, das aktiviert Bevölkerungsgruppen für diesen Planungsprozess die niemals abends an so einer formalen Bürgerversammlung im Rathaus teilnehmen würden.

00:06:20: Achso ja klar!

00:06:22: Die Mitsprache passiert dann plötzlich ganz beiläufig auf dem Weg zum Supermarkt.

00:06:25: Exakt und das ist extrem wertvoll.

00:06:28: Das macht Stadtplanungen wirklich von einem abstrakten Behördenakt zu nem echten Nachbarschaftsprojekt.

00:06:34: Wahnsinn

00:06:34: Definitiv.

00:06:36: Nehmen Sie diesen Gedanken doch heute einfach mal mit.

00:06:39: Wenn sie das nächste Mal aus dem Fenster auf ihre eigene Straße schauen.

00:06:43: Stellen Sie sich vor, wie sie aussehen würde wenn morgen der Durchzugsverkehr verschwindet?

00:06:47: Genau!

00:06:48: Wo würden Sie eine Bank aufstellen?

00:06:50: Wo würden sie ein Baum pflanzen?

00:06:52: Vielleicht ist so ein Supergrätzel in ihrer eigenen Nachbarschaft viel näher als Sie denken.

00:06:57: Es lohnt sich auf jeden Fall die eigene Umgebung durch diese Brille zu betrachten

00:07:02: Finde ich auch.

00:07:03: Wenn Ihnen diese Einblicke in die Stadt der Zukunft gefallen haben, dann empfehlen Sie unseren Podcast doch sehr gerne an Ihre Freunde oder Kollegen weiter.

00:07:11: Das war eine weitere Folge von Snacks – dem Snackable-Podcast Produziert von Ström New Audio Culture.

00:07:18: Schauen sie gern in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.

00:07:21: Bis zur nächsten Folge.

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