#078 Leerstand als Chance: Dortmunds Fonds für die Innenstadt
Shownotes
Wir sprechen über den innovativen Anmietungs-Fonds der Dortmund, mit dem leerstehende Ladenlokale in der Innenstadt wiederbelebt werden sollen. Das Modell ist einfach: Die Stadt mietet Erdgeschossflächen zu vergünstigten Konditionen an und vermietet sie für nur 20 Prozent der bisherigen Miete an neue Nutzer weiter.
Angesprochen werden insbesondere Start-ups, Gastronomie, Kulturinitiativen und kreative Konzepte, die zur Attraktivität der Innenstadt beitragen. Ergänzend können Eigentümer finanzielle Unterstützung für notwendige Umbaumaßnahmen erhalten.
Was ihr mitnehmt:
- Wie Kommunen aktiv gegen Leerstand vorgehen können.
- Warum neue Nutzungen wichtiger werden als klassische Einzelhandelskonzepte.
- Welche Rolle öffentliche Förderung bei der Innenstadtentwicklung spielt.
- Wie Risiko und Innovation zwischen Stadt, Eigentümern und Mietern geteilt werden können.
… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.dortmund.de/themen/planen-und-bauen/stadtplanung-und-entwicklung/stadterneuerung/cityentwicklung/anmietungs-fonds/
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks, dem Snackable Podcast.
00:00:03: Produziert von Ström New Audio Culture.
00:00:07: Stellen Sie sich mal vor, sie mieten ein Ladenlokal in bester Innenstadtlage
00:00:13: und zahlen am Ende fast nichts dafür?
00:00:15: Genau!
00:00:15: Also sie zahlen nur einen Fünftel der eigentlichen Miete.
00:00:19: das klingt jetzt nach einem Tippfehler im Mietvertrag aber genau das ist der bewusste Hebel mit dem Dortlum gerade versucht seine leeren Schaufenster wieder mit Leben zu füllen.
00:00:29: Ja, eine wirklich spannende Strategie.
00:00:31: Finde ich auch!
00:00:31: Wir schauen uns heute nämlich ein aktuelles Infoblatt der Stadt an, stand Januar zu dem sogenannten Anmietungsfonds und unsere Mission für diese Analyse ist es herauszufinden wie dieser ziemlich radikale Eingriff in den Immobilienmarkt eigentlich funktioniert.
00:00:49: Das ist wirklich ein radikaler Eingrifft also... Dieser Fonds ist eine direkte Antwort auf ein Problem, das fast jede größere Stadt aktuell umtreibt.
00:01:00: Nämlich das Aussterben der Innenstädte.
00:01:03: Total!
00:01:04: Und Dortmund geht hier mit Landesmitteln einen Weg, der die übliche Marktlogik quasi komplett aushebelt weil die Stadt selbst das finanzielle Risiko übernimmt.
00:01:14: Lassen
00:01:14: Sie uns das mal aufdröseln, um die Mechanik dahinter zu verstehen?
00:01:18: Also die Stadt gritt hier sozusagen als eine Art Zwischenhändler auf.
00:01:23: Nehmen wir mal an, ein leeres Ladenlokal im Erdgeschoss kostet normalerweise sagen wir mal zweitausend Euro Altmiete.
00:01:29: Ja das ist ein realistischer Wert!
00:01:31: Gut
00:01:32: die Stadt mietet dieses Lokal dann vom Eigentümer für siebzig Prozent an.
00:01:37: Das sind tausend vierhundert Euro.
00:01:39: und hier kommt der entscheidende Cut vermietet Sie diese Fläche für zwanzig Prozent an einen neuen Nutzer.
00:01:45: Genau also für schlappe Vierhundert
00:01:48: euro.
00:01:49: Die Differenz schlocken dann einfach Dortmund und das Land NRW, richtig?
00:01:54: Richtig!
00:01:55: Womit das unternehmerische Risiko für den neuen Mieter natürlich dramatisch sinkt.
00:01:59: Das eigentliche Ziel dieser Subvention ist aber ein viel größeres ökonomisches Problem aufzuhalten – das sogenannte Trading Down.
00:02:08: Also diesen schleichenden Verfall der Straßen.
00:02:10: Exakt.
00:02:12: Wenn eine Einkaufstraße anfängt leer zu stehen, sinkt die Fußgängerfrequenz.
00:02:16: Die Leute bleiben weg Und die Verbleibenden oft hochwertigen Geschäfte machen weniger Umsatz und ziehen dann eben auch weg.
00:02:23: Was dann die Immobilienpreise massiv drückt, woraufhin die Eigentümer an jeden Vermieten der überhaupt noch zahlt?
00:02:30: Das wirft für mich direkt die nächste provokante Frage
00:02:33: auf!
00:02:34: Schießen Sie los!
00:02:35: Wer nutzt diese günstigen Lagen jetzt aus?
00:02:38: also... Eine zwanzig Prozent Mieter am Wallring ist doch die perfekte Einladung.
00:02:42: Kann ich da jetzt einfach an jeder Ecke ein neues Wettbüro oder einen Euro-Shop hochziehen?
00:02:47: Nein, absolut nicht!
00:02:48: Das wäre ja die logische Konsequenz wenn man den Markt sich selbst überlässt.
00:02:52: Aber genau deshalb ist dieser Fonds extrem streng reguliert.
00:02:55: Ah ok...
00:02:57: Wettbüros Spielhallen und auch Sexshops sind im Fördergebiet komplett ausgeschlossen Weil die eben die Attraktivität einer Straße für die breite Masse weiter senken würden.
00:03:06: Das beschleunigt die Abwärtsspirale ja nur.
00:03:09: Macht Sinn!
00:03:10: Das oberste Kriterium für diesen Fond lautet wirklich, gefördert wird nur was Frequenz bringt.
00:03:15: Die Stadt nutzt das Steuergeld also um das Erlebnis Innenstadt aktiv zu kuratieren – so ein bisschen wie in Galeris.
00:03:22: der entscheidet welche Kunstwerke das Publikum anziehen?
00:03:25: Das
00:03:25: ist ein sehr treffendes Bild….
00:03:29: Das sind meistens so Flächen bis dreihundert Quadratmeter, ganz gezielt nach Pop-up Stores, urbaner Produktionen, Kitas oder eben innovativer Gastronomie.
00:03:40: Um die Leute wieder in die Stadt zu locken?
00:03:42: Genau!
00:03:42: Diese Konzepte verändern die Konsumpsychologie der Passanten – sie schaffen einfach einen neuen Grund überhaupt wieder in diese Stadt zu gehen und dort zu verweilen und idealerweise auch in den Nachbargeschäften Geld auszugeben.
00:03:56: Und um diese Frequenzbringer überhaupt erst an den Staat zu bekommen, gibt es ja doch eine zweite Ebene der Förderung.
00:04:01: Wenn ich das richtig verstanden habe kann sich jemand über diesen Fonds in ein Lokal zieht, fünfzig Prozent der Umbau-Kosten erstatten lassen oder?
00:04:09: Ja da geht es um Beträge zwischen zwei tausend fünfhundert und siebentausend fünfundund Euro.
00:04:15: Das ist ja ein enorme Anreiz für Startups
00:04:17: Absolut!
00:04:17: Und es ist ein extrem pragmatischer Schritt.
00:04:20: Wer ein innovatives Konzept testet, hat oft nicht das Kapital für neue Leitungen oder den Trockenbau.
00:04:27: Durch diesen Zuschuss und die niedrige Miete entsteht da quasi ein Labor unter echten Bedingungen.
00:04:34: Wobei ich bei dem Begriff echte Bedingung echt skeptisch bin... Das ist doch ein extrem subventionierter Schoenraum.
00:04:40: Naja vorübergehend schon.
00:04:42: Diese Förderung läuft ja maximal bis Ende des Jahrhunderts.
00:04:46: Was passiert denn danach?
00:04:47: Wenn ein Café nur überlebt, weil die Miete künstlich auf zwanzig Prozent gedrückt wird – hat das doch eigentlich kein tragfähiges Geschäftsmodell?
00:04:55: Da haben Sie recht.
00:04:56: Der Übergang in den regulären Markt ist definitiv diese Rollbruchstelle dieses Konzepts!
00:05:02: Wenn sich Gründer an diese Margen gewöhnen, könnte uns im Jahr- und Zwanzig einen massives Ladensterben drohen, sobald die Subventionen wegfallen.
00:05:11: Und was ist dann der Plan?
00:05:12: Die Hoffnung der Stadt ist, dass sich diese Unternehmen bis dahin eine so starke Stammkundschaft aufgebaut haben.
00:05:18: Dass sie eben marktgerechte Nieten zahlen können oder und das ist auch wichtig, dass die Eigentümer erkennen, dass ein etwas niedrigere aber verlässliche Miete langfristig besser ist als der erneute Leerstand.
00:05:31: Das führt uns zu einer viel grundsätzlicheren Frage für Sie wenn Sie das nächste Mal durch eine Fußgängerzone laufen Wenn Stete jetzt schon als Immobilienkuratoren auftreten und Mieten subventionieren müssen, um den Verfall zu stoppen, erleben wir hier gerade das Ende des klassischen rein privatwirtschaftlichen Einzelhandels?
00:05:49: Ein guter Punkt.
00:05:50: Vielleicht müssen wir uns wirklich daran gewöhnen, dass lebendige Innenstädte in Zukunft immer eine von Steuergeldern co-finanzierte Kulturleistung sein werden – ähnlich wie Theater oder Museen eben!
00:06:04: Wenn Ihnen dieser kurze Wissensnack gefallen hat, empfehlen Sie unseren Podcast sehr gerne an Freunde, Kollegen oder Bekannte weiter.
00:06:12: Darüber würden wir uns riesig freuen!
00:06:15: Das war eine weitere Folge von Snacks – dem Snackable-Podcast Produziert von Ström New Audio Culture.
00:06:23: Schauen sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.
00:06:26: Bis zur nächsten Folge.
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