#075 Abwärme als Zukunft: Die Fernwärmeleitung von Premnitz nach Brandenburg
Shownotes
Wir sprechen über ein zukunftsweisendes Fernwärmeprojekt zwischen Premnitz und Brandenburg an der Havel, das überschüssige Energie aus einer Abfallverwertungsanlage sinnvoll nutzbar macht. Über eine mehr als 20 Kilometer lange Leitung wird Wärme in die Stadt transportiert – mit einer jährlichen Einsparung von rund 69.000 Tonnen CO₂.
Unter der Leitung von Gunter Haase wurde das Projekt trotz komplexer technischer, logistischer und ökologischer Herausforderungen umgesetzt und gilt heute als Vorbild für kommunale Energiewende und sektorübergreifende Infrastruktur.
Was ihr mitnehmt:
- Wie industrielle Abwärme für Städte nutzbar gemacht werden kann.
- Warum Fernwärme eine Schlüsselrolle in der Energiewende spielt.
- Welche Herausforderungen solche Infrastrukturprojekte mit sich bringen.
- Wie kommunale Unternehmen Transformation aktiv gestalten können.
… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.stwb.de/waerme/
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks, dem Snackable Podcast.
00:00:03: Produziert von Ström New Audio Culture.
00:00:06: Stellen Sie sich mal vor, jemand schlägt vor einen zwanzig Kilometer langen Graben quer durch ein Naturschutzgebiet zu baggern.
00:00:15: Einfach mal so?
00:00:16: Genau!
00:00:16: Einfach Mal So und das nur um kochend heißes Wasser von einer Stadt in die andere zu pumpen.
00:00:22: Klingt erstmal total absurd oder?
00:00:24: Ja absolut aber... Genau das ist im Brandenburg passiert.
00:00:28: Aus so einer recht simplen Idee, die tatsächlich abends bei einem Bier entstand wurde ein echtes Leuchtungprojekt der Energiewende und das beschäftigt uns heute.
00:00:38: Richtig!
00:00:39: Wir schauen uns nämlich an wie die Stadtwerke Brandenburger an der Havel eine gigantische unterirdische Wärmebahn gebaut haben.
00:00:46: Und diese Anlage senkt den CO-Zwei-Ausstoß jedes Jahr um satte neunundsechzigtausend Tonnen.
00:00:54: Die entscheidende Frage für uns heute ist also, was verrät uns dieses Projekt eigentlich über die Zukunft unserer eigenen lokalen Energieversorgung?
00:01:03: Da müssen wir vielleicht am Anfang mal auf das Problem schauen vor dem der Initiator stand.
00:01:06: Gunther Hase
00:01:07: Ja ein sehr spannender Typ
00:01:09: Definitiv!
00:01:10: Die Quellen beschreiben ihn immer als so einen unprätenziösen Machertyp in so einer orangenfarbenen Arbeitsjacke Und er hatte ein drängendes Problem.
00:01:17: Ein zwanzig Jahre altes fossiles Heizklaftwerk musste ersetzt werden.
00:01:21: Und Gas war als Option vom Tisch?
00:01:23: Genau,
00:01:23: Gas war keine Zukunftsoption mehr!
00:01:25: Man brauchte eine massive saubere Wärmequelle und das möglichst schnell... Das ist ja quasi so, als müsste man den Motor eines Autos während der Fahrt austauschen.
00:01:34: Ja.
00:01:34: Und der neue Motor darf plötzlich keinerlei Abgase mehr produzieren.
00:01:38: Das ist ein ziemlich guter Vergleich….
00:01:41: Und die Lösung für dieses Problem, die lag im zwanzig Kilometer entfernten Bremnitz.
00:01:47: Okay was gibt's da?
00:01:49: Da steht eine Müllverbrennungsanlage und die produziert ohnehin Unmengen an Energie, die oft ungenutzt bleibt.
00:01:57: Die Idee war also diese Energie in einen Kreislauf einzuspeisen.
00:02:02: Da fließen nun hundertzwanzig Grad Celsius heißes Wasser unterirdisch nach Brandenburg an der Havel.
00:02:09: Das gibt dort die Wärme ab und dann fließt das Wasser mit etwa siebzig Grad wieder zurück nach Premnitz.
00:02:14: Um da erneut erhitzt zu werden, dass System funktioniert also im Grunde wie so ein gigantischer Blutkreislauf richtig?
00:02:20: Ja genau!
00:02:22: Die Müllverbrennungsanlage ist das Herz.
00:02:24: Das hundertzwanzig Grad heiße Wasser wird wie sauerstoffreiches Blut in die Stadt gepumpt, gibt dort seine Energie ab und fließts abgekühlt zurück.
00:02:32: Aber warte mal... Wie genau funktioniert dieser Austausch?
00:02:37: Das Müllwasser aus Bremenitz fließt ja jetzt hoffentlich nicht direkt aus den Heizungen der Haushalte.
00:02:42: Nein, nein!
00:02:42: Um Himmels Willen das wäre katastrophal.
00:02:45: Das heiße Wasser aus Bremanitz und das Wasser im städtischen Fernwärmenetz die berühren sich nie direkt.
00:02:51: Aha okay...
00:02:52: Das läuft alles in einem sogenannten Wärmetauscher ab.
00:02:55: da fließen beide Wasserkreisläufe aneinander vorbei Und die sind lediglich getrennt durch hauchdünne Metallplatten.
00:03:02: Das Prämnitzer Wasser erhitzt also das Metall und das Metall erhitze dann das Wasser für die Stadt
00:03:08: Verstehe, so bleibt der Kreislauf komplett geschlossen.
00:03:11: Exakt Aber zwanzig Kilometer Distanz sind trotzdem enorm.
00:03:17: Wenn ich Wasser mit hundertzwanzig Grad durch den eiskalten Brandenburger Winterboden pumpe da muss doch am Ende nur noch lauwarmes Wasser ankommen.
00:03:24: Das war tatsächlich auch die größte Sorge der Ingenieure.
00:03:28: Die haben dieses physikalische Problem aber mit extrem hoch isolierten Rohren gelöst.
00:03:34: Man muss sich das vorstellen, wie eine zwanzigkilometerlange Hightech-Thermuskanne.
00:03:38: Eine riesige Thermoskanne?
00:03:40: Ganz genau!
00:03:41: Das innere Stahlrohr ist in eine dicke Schicht aus Polyurethanschaum eingebettet und der schließt die Wärme fast vollständig ein.
00:03:50: Außen ist das Ganze dann noch durch ein wasserdichtes Kunststoffgehäuse geschützt.
00:03:54: Dadurch verliert das Wasser auf der gesamten Strecke wirklich kaum an Temperatur.
00:03:59: Okay, also das physikalische Problem war gelöst aber so eine zwanzig Kilometer lange Thermoskanne zu bauen ist ja die eine Sache!
00:04:06: Die Trasse führte aber mitten durch ein Naturschutzgebiet und die Natur hat sich da nicht unbedingt an den Bauplan gehalten.
00:04:14: Die Quellen berichten von echt kuriosen Vorfällen zum Beispiel von Baustops wegen brütender Adler?
00:04:21: Ja
00:04:22: richtig Und für Kraniche musste auf einem Teilstück sogar ein zweikommer fünf Meter hoher Sichtschutzzaun errichtet werden.
00:04:29: Einfach
00:04:29: nur, damit die Tiere nicht gestört werden und dazu kamen ja auch noch die ganzen gesetzlichen Vorgaben.
00:04:35: Was war da noch?
00:04:35: Naja in Deutschland müssen bei solchen massiven Eingriffen in den Boden immer Archäologen prüfen ob historische Stätten zerstört werden.
00:04:43: Ach stimmt ja!
00:04:44: Und die haben wirklich alle twenty-fünf Meter Bodenproben genommen.
00:04:48: Alle twenty-chwanzig Meter Wahnsinn
00:04:50: Ja.
00:04:50: Und dabei stießen die nicht nur auf einen alten Brunnen, sondern auch auf echte frühzeitliche Feuerstellen.
00:04:57: Ach krass!
00:04:58: Ja und es hat den Bau natürlich immer wieder extrem verzögert.
00:05:01: Kein Wunder das Guntherhase in den Quellen so ehrlich zitiert wird mit dem Satz Wenn ich gewusst hätte was auf uns zukommt, hätt' ich zweimal überlegt.
00:05:08: Das kann man ihm nicht verübeln.
00:05:10: Aber der Aufwand von rund forty-fünf Millionen Euro hat sich ja gelohnt.
00:05:15: Seit Anfang zwei tausendaushalte versorgt die Anlage zwölftausend Haushalte Und die Stadtwerke ruhen sich darauf ja nicht aus, sie gehen jetzt noch einen Schritt weiter.
00:05:24: Richtig!
00:05:24: Die setzen jetzt künstliche Intelligenz ein um das Netz zu steuern.
00:05:28: Warum eigentlich?
00:05:29: Also...das moderne Energienetz hängt ja heute stark von volatilen Quellen ab wie Wind und Solar.
00:05:35: Das schwankt die verfügbare Strommenge enorm.
00:05:38: Klar je nachdem ob Wolken aufziehen oder so.
00:05:40: Genau oder wenn der Wind mal abflaut.
00:05:42: Die KI analysiert deswegen permanent Wetterdaten und Verbrauchsmuster.
00:05:47: So kann Sie diese Schwankungen Man nennt das in der Fachsprache Unschärfen, schon im Voraus berechnen.
00:05:53: Ah,
00:05:53: ziemlich smart!
00:05:54: Ja – Das System weiß dann genau wann es mehr Wärme aus der Pipeline als Puffer nutzen muss und wann eben nicht.
00:06:00: Faszinierend….
00:06:02: Aber mal was anderes?
00:06:03: So ein gigantisches Bauprojekt, dass Straßen aufreist und wirklich die Landschaft prägt.
00:06:09: Das dürfte bei den Anwohnern anfangs nicht nur Begeisterung ausgelöst haben
00:06:13: oder?!
00:06:13: Da sagst du was ja...
00:06:15: Wie gewinnt man denn die Akzeptanz für so einen massiven Kraftakt?
00:06:18: indem man als Stadtwerk einfach auch etwas zurückgibt, das Unternehmen finanziert zum Beispiel massiv den lokalen Kinder- und Jugendsport.
00:06:27: Und sie haben sogar eine eigene Crowdfunding-Plattform für Nachbarschaftsprojekte ins Leben gerufen!
00:06:33: Wenn die Menschen sehen dass die Gewinne aus solchen Projekten direkt wieder in ihre eigene Gemeinschaft und in die Infrastruktur fließen dann ist die Toleranz für eine zwanzig kilometerlange Baustelle ungleich höher.
00:06:46: Ja, das ergibt absolut Sinn.
00:06:48: Es zeigt einfach eindrucksvoll was alles machbar ist!
00:06:51: Wenn so eine simple pragmatische Idee die wohl gemerkt bei einem Bier entstand heute neun und sechzigtausend Tonnen CO-Zwei pro Jahr einspart...
00:07:00: Absolut beeindruckend!
00:07:01: ...dann führt uns das doch zu einem provokanten Gedanken den sie zu Hause gerne mal mit in den Tag nehmen können.
00:07:06: Welchen?
00:07:07: Welche anderen ungenutzten Ressourcen liegen vielleicht direkt vor unserer eigenen Haustür?
00:07:12: Oh ja
00:07:13: Vielleicht gibt es in unserer eigenen Stadt irgendwelche Abfallprodukte, die nur auf jemanden warten.
00:07:18: Der stur genug ist eine gigantische Thermoskanne zu
00:07:21: bauen!
00:07:21: Das wäre auf jeden Fall zu hoffen!
00:07:23: Definitiv Wenn Ihnen diese Analyse gefallen hat, empfehlen Sie unseren Podcast gerne weiter.
00:07:29: Das war eine weitere Folge von Snacks – dem Snackable-Podcast Produziert von Ström New Audio Culture.
00:07:36: Schauen sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.
00:07:39: Bis zur nächsten Folge.
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