#073 Inside Architects: AFF über Materialität und Zukunft
Shownotes
Wir sprechen über das Berliner Büro AFF Architekten und die Frage, welche Materialien heute noch angemessen sind. Die Partner Ulrike Dicks und Martin Fröhlich erläutern, warum Materialentscheidungen längst nicht mehr nur ästhetische, sondern vor allem politische und ökologische Entscheidungen geworden sind.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie konstruktive Logik, Reparierbarkeit und Wertigkeit. Statt kurzfristiger Wegwerfarchitektur plädieren sie für robuste Strukturen, langlebige Materialien und den bewussten Umgang mit Ressourcen – auch im Spannungsfeld zwischen globalen Lieferketten und regionalen Baustoffen.
Was ihr mitnehmt:
- Warum Materialwahl heute eine politische Entscheidung ist.
- Weshalb Reparierbarkeit wichtiger wird als reine Perfektion.
- Welche Rolle konstruktive Logik im nachhaltigen Bauen spielt.
- Warum robuste Bestandsgebäude oft die resilientesten Strukturen sind.
… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.dbz.de/folge-154-angemessene-materialien-4375952.html
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks, dem Snackable Podcast.
00:00:03: Produziert von Ström New Audio Culture!
00:00:06: Schön dass Sie dabei sind.
00:00:07: ich freue mich riesig heute etwas Besonderes anzukündigen.
00:00:10: das hier ist nämlich der Auftakt zu einer neuen losen Reihe in der wir Ihnen immer wieder spannende und innovative Architekten vorstellen werden.
00:00:19: Genau hallo auch von mir.
00:00:20: Wir haben heute echt ein super Thema für sie
00:00:22: Absolut.
00:00:24: Unsere Mission vor heute ist eine fundierte Quellenanalyse eines wirklich aufschlossreichen Interviews und zwar aus der deutschen Bauzeitschrift, der DBZ mit Ulrike Dix und Martin Fröhlich von den Berliner AFF-Architekten.
00:00:39: Und das Kernthema von diesem Gespräch ist eine Frage die unsere gebaute Umwelt eigentlich komplett auf dem Kopf stellt nämlich was macht ein Baumaterial heutzutage eigentlich angemessen?
00:00:50: Richtig, das ist auch unsere Leitfrage für Sie.
00:00:53: Warum ist die Wahl von Beton Holz oder so einem Stein heute absolut keine reine Geschmacksfrage mehr sondern vielmehr ein hochpolitischer Ballonsakt?
00:01:03: Ja weil Material eben heute nicht mehr nur Dekorationen sind.
00:01:07: es ist ein echtes Statement geworden.
00:01:09: Okay, lass uns das mal aufdröseln.
00:01:11: Denn Architekten müssen heute ja fast wie Kriminalpolizisten arbeiten oder?
00:01:15: Ja,
00:01:15: das sind super Vergleich!
00:01:17: Also
00:01:17: die müssen ja quasi den Stammbaum und auch den CO-Zweihabdruck von absolut jedem Ziegel überprüfen bevor da irgendwas gebaut wird.
00:01:24: Genau weil früher ist der Zimmermann einfach in den Wald gegangen hat ein Baum geschlagen und fertig Die Kette war total kurz.
00:01:31: aber Heute ist Material halt komplett globalisiert Und damit auch politisch.
00:01:36: Hast du dann Beispiel aus der Quelle?
00:01:38: Ja, nehmen wir mal Travertin!
00:01:39: Ah dieser helle Kalkstein
00:01:41: oder?!
00:01:41: Richtig!
00:01:42: Der war in Deutschland in den dreißiger und vierziger Jahren historisch und politisch extrem vorbelastet durch die ganzen Repräsentationsbauten damals.
00:01:51: Den konnte man nach dem Krieg nicht einfach verbauen und sagen ach ich mag aber die Farbe
00:01:55: Wahnsinn ja das Material lädt sich also richtig toxisch auf
00:02:01: Total.
00:02:02: Oder ein anderes Beispiel aus der Studienzeit der beiden Architekten Mahaguni.
00:02:06: Das gab es damals massenweise und sportbillig bei Discountern, also wirklich bei Lidl & Co.
00:02:12: Tropenholz beim Discounter!
00:02:14: Ja unvorstellbar oder?
00:02:16: Wenn man heute so'n Holz für ne Fassade vorschlägt fragen doch sofort alle nach dem Ressourcenverbrauch und auch diesen FSC-Zertifikaten... Was
00:02:24: hier faszinierend ist, also eigentlich ist es ja fast schon tragisch die Architekten bekommen für diese ganze intensive Recherchearbeit oft gar kein extra Geld.
00:02:33: Nein überhaupt nicht!
00:02:34: Obwohl das ja eigentlich völlig neue Berufsfelder und so Kollaborationen erfordert Spezialisten für Ökobilanzierung usw.
00:02:43: Ok.
00:02:43: aber wenn Materialien jetzt so wahnsinnig komplex und vor allem teuer geworden sind wie bezahlen Bauherren das überhaupt noch ohne ihre nachhaltigen Vision komplett aufzugeben?
00:02:54: Da bringen die AFF-Architekten ein extrem spannendes Konzept rein.
00:02:58: Den sogenannten bewohnten Rohbau.
00:03:01: Bewohnter Rohbau, okay!
00:03:03: Wie genau funktioniert das in der Praxis?
00:03:06: Also Auftraggeber starten ja oft mit riesigen Nachhaltigkeitsvisionen ins Sohnwettbewerb und die zerschellen dann ganz schnell am Kostendrahmen.
00:03:14: Die Lösung ist dann einfach Schichten weglassen.
00:03:18: Schichten weglassen – du meinst man lässt zum Beispiel den Betonfußboden einfach roh
00:03:23: Exakt.
00:03:25: Kein Vinyl, kein Teppich und das Geld dass man da spart nutzt man um sich dafür extrem hochwertige unbehandelte Lärchenwollsfenster leisten zu können.
00:03:34: Ah
00:03:34: verstehe!
00:03:35: Das Budget wird also umgeschichtet.
00:03:37: Genau Und das ist für sie als Hörer echt wichtig, weil wir sind ja gesellschaftlich total auf fertige Oberflächen konditioniert.
00:03:45: Da muss ich aber wirklich enthusiastisch einhaken!
00:03:49: Erwarten wir nicht gerade bei so Millionen Projekten dass die am Ende irgendwie fertig und poliert aussehen?
00:03:56: Ist es nicht ein riesiges Risiko für die Architekten wenn die Wände nackt bleiben?
00:04:01: Doch
00:04:02: absolut!
00:04:03: Das erfordert unglaublich viel Mut vom Bauherren dieses Unfertige dann auch zu akzeptieren, anstatt eben Material vorzutäuschen das gar nicht da ist.
00:04:12: Also
00:04:13: lieber rauer Beton als Plastiklaminat in Holzoptik?
00:04:16: Richtig!
00:04:17: Aber wenn dieser Rohbauschick man nicht reicht... Warum retten uns denn eigentlich keine super innovative Hightech-Materialien?
00:04:25: Oder wir nehmen einfach alte Steine vom Abriss nebenan
00:04:28: oder?!
00:04:29: Tja bei den Hightec-Materialen haben EFF Architekten eine ganz klare Meinung Die Lähnenverbundstoffe, wie zum Beispiel diesen viel gelobten Karbonbeton komplett ab.
00:04:39: Echt?
00:04:40: Aber Karbon-Beton gilt doch oft als Material der Zukunft!
00:04:43: Warum das
00:04:44: denn?!
00:04:44: Weil man diese Materialien am Ende nie wieder voneinander getrennt bekommt – die Karbonfasern sind fest mit dem Zement verklebt.
00:04:51: Das wird am Ende nur gigantischer Sondermüll.
00:04:53: Oh wow okay...
00:04:55: Die Architekten sagen im Interview ganz prägnant Schrauben ist besser als Schweißen.
00:04:59: Schraubem
00:04:59: isst besser als schweißen….
00:05:00: das macht total Sinn.
00:05:02: Aber wie sieht es denn dann mit dem lokalen Recycling aus?
00:05:06: Ich denke da an diese verrückte Geschichte über die Sporeinitiative in der Berliner Hermannstraße.
00:05:11: Oh
00:05:11: ja, die Recyling-Realität!
00:05:12: Erzähl das mal.
00:05:13: Hey super – Die Steine stammen bestimmt von einer abgerissenen Kapelle direkt um die Ecke aus dem Kiez.
00:05:20: Schön wär's gewesen….
00:05:21: Ja eben nicht.
00:05:22: Die Wahrheit war dieser Klinker musste fünfhundert Kilometer aus Westdeutschland herangekart werden.
00:05:29: Wahnsinn
00:05:30: Einfach weil es in Berlin schlichtweg keine lokalen Logistik-Netzwerke für zertifizierte Altmaterialien gab.
00:05:37: Da hat man dann massive Dieselemissionen für den Transport.
00:05:40: Und wenn wir das mit dem großen Ganzen verbinden, zeigt das doch... Wir brauchen dringend andere Systeme!
00:05:47: Anstatt immer nur blind neue Elektroautos zu fördern bräuchten wir sogenannte Harvest Maps.
00:05:53: Erntekarten?
00:05:54: Was genau ist
00:05:55: das?!
00:05:56: Das nutzt man in den Niederlanden, da erfasst man Gebäude die bald abgerissen werden als Materialminen.
00:06:03: Man weiß vorher genau, dass sind zweihundert intakte Fenster drin und dann gibt es noch so Bauteillager wie in Bern.
00:06:10: Großartig hier wird es wirklich interessant!
00:06:14: Denn diese Idee der Trennbarkeit bringt uns ja direkt zum allergrößten Tabuthema auf dem Bau – nämlich Müll.
00:06:22: Die Architekten lehnen das Konzept Abfall ja in der Quelle quasi völlig ab.
00:06:27: Ja, die sagen, Abfall ist eigentlich nur eine Erfindung der Industrie – ein reines Nebenprodukt von seelenloser industrieller Massenproduktion.
00:06:35: Weil gute Dinge gar nicht erst weggeworfen werden?
00:06:38: Genau!
00:06:39: Einen richtig guten Holzstuhl repariert man Und da liefert das Interview ein Superpraxis-Beispiel aus Nürnberg.
00:06:46: Ah, dieses alte Bürogebäude aus den Siebzigerjahren!
00:06:49: So'n richtig verhasster Betontypenbau.
00:06:52: Exakt
00:06:52: hier – der wird nämlich jetzt zu einer Schule umgebaut und wird eben nicht abgerissen.
00:06:57: Und warum nicht?
00:06:58: Weil seine nackte Stahlbetonstruktur also das Skelett nach dem Jahrzehnten bewiesen hat dass sie extrem robust und wahnsinnig anpassungsfähig ist.
00:07:07: man kann die Innenwände einfach ausschlagen
00:07:10: Das is ja genial.
00:07:11: Das böse Material von gestern ist also quasi die Resilienz von heute.
00:07:16: Besser kann man es nicht sagen und das lässt uns am Ende vielleicht noch mit einem ganz provokativen Gedanken zurück.
00:07:22: Welchen?
00:07:23: Wenn wir in Zukunft Gebäude wirklich so entwerfen, dass jedes Material wie in so nem riesigen Legoset zusammengeschraugt und am Ende wieder zerlegt werden kann komplett ohne Abfall zu produzieren bedeutet das dann nicht, dass wir der Nachwelt eigentlich gar keine Ruinen mehr hinterlassen werden Sondern unsere Städte nur noch aus gigantischen Materialdatenbanken bestehen?
00:07:43: Wow!
00:07:45: Keine Ruinen mehr, nur noch Bauteile die auf den nächsten Einsatz warten.
00:07:50: Was für ein starkes Bild zum Schluss.
00:07:53: Das war eine weitere Folge von Snacks dem Snackable Podcast produziert von Ström New Audio Culture.
00:08:01: Schauen Sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.
00:08:05: Bis zur nächsten Folge.
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