#071 Kreativität gegen Leerstand: Kultur als Stadtstrategie

Shownotes

Wir sprechen darüber, wie Kultur und Kreativwirtschaft gezielt zur Belebung von Innenstädten eingesetzt werden können. Die Folge zeigt, wie leerstehende Gebäude durch kreative Nutzungen zu neuen sozialen Begegnungsorten werden – jenseits des klassischen Einzelhandels.

Die vorgestellten Ansätze richten sich an Kommunen, Kulturschaffende und Immobilienbesitzer und kombinieren Zwischennutzung, Konzeptverfahren und Stadtentwicklungsinstrumente mit neuen Finanzierungsmodellen. Praxisbeispiele aus Perleberg und Angermünde zeigen, wie kulturelle Projekte regionale Identität stärken und wirtschaftliche Impulse setzen können.

Was ihr mitnehmt:

  • Warum Kultur ein zentraler Faktor moderner Stadtentwicklung ist.
  • Wie kreative Nutzungen Leerstand aktivieren können.
  • Welche Werkzeuge Kommunen für die Transformation einsetzen können.
  • Warum Identität und Aufenthaltsqualität wirtschaftlich relevant sind.

… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://mil.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/2026-04-16%20Leitfaden%20Kultur%20und%20Kreativ-%20Innenstadt.pdf

🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks, dem Snackable Podcast produziert von Ströms New Audio Culture.

00:00:08: Stellen Sie sich mal kurz vor!

00:00:09: Sie stehen so vor diesem alten völlig verlassenen Kaufhaus direkt in Ihrer Fußgängerzone.

00:00:15: Genau die Fenster sind total verstaubt?

00:00:17: Richtig

00:00:17: da passiert halt seit Jahren absolut nichts mehr.

00:00:20: aber also was wäre wenn da jetzt keine neue Klamottenkette einzieht sondern Ateliers und kleines Café oder so eine Konzertbühne

00:00:29: Und das dann quasi die wirtschaftliche Rettung für die gesamte Innenstadt ist?

00:00:33: Ja, genau.

00:00:34: Das ist heute unsere Mission!

00:00:36: Wir schauen uns diesen neuen Leitfaden des Landes Brandenburg an um herauszufinden warum aus diesen verstaubten Lehrständen lebendige dritte Orte werden und warum das wirtschaftlich so genial ist.

00:00:47: Das klingt auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen nach einer romantischen Träumerei Total.

00:00:53: Aber wenn man da mal tiefer reingeht in die Analysen, dann merkt man schnell das ist wirklich knallharte Wirtschaftsförderung.

00:01:00: also Kultur ist eben nicht nur ein nettes Beiwerk für das Image einer Stadt.

00:01:04: Ja,

00:01:05: das hat mich ehrlich gesagt in den Quellen auch am meisten überrascht.

00:01:08: Man hat ja auf dieses Vorurteil im Kopf.

00:01:10: Kultur naja Das ist ein reines Zuschussgeschäft dass die Stadt eigentlich nur Geld kostet.

00:01:16: Aber hier taucht ja immer wieder dieser Begriff der Umweg-Rentabilität auf.

00:01:20: In Potsdam zum Beispiel bringt jeder investierte Kultureuro indirekt bis zu ... zwei Komma drei vier Euro wieder rein.

00:01:28: Wie genau funktioniert das denn eigentlich?

00:01:30: Diese Rendite entsteht im Grunde durch den Sog, den Kultur erzeugt.

00:01:35: Also wenn sie abends zu einer Lesung oder einem Konzert in dieses umgebaute Kaufhaus gehen dann fahren Sie ja danach nicht sofort wieder nach Hause.

00:01:42: Nee man geht ja vielleicht noch was essen oder so

00:01:44: Eben.

00:01:45: Sie trinken vorher vielleicht noch ein Kaffee, gehen im Anschluss was essen, bummeln an den Schaufenstern der Nachbargeschäfte vorbei

00:01:52: und

00:01:52: kommen dann vielleicht am nächsten Tag wieder um dort einzukaufen!

00:01:56: Das ist wie so'n Magneteffekt.

00:02:00: Ein super Praxisbeispiel aus dem Leitfaden ist da ja auch dieses guten Morgen Eberswalde.

00:02:09: Ohja, das ist fantastisch!

00:02:10: Da gibt es seit sieben jeden Samstag Vormittag Kultur auf dem Marktplatz und zwar nicht nur ab und zu sondern echt jeden einzelnen Samstag.

00:02:18: Und

00:02:18: diese totale Verlässlichkeit ist der Schlüssel.

00:02:21: Das führt dazu dass die Menschen routinemäßig ins Zentrum kommen

00:02:25: Genau und der Bäcker oder Buchhändler nebenan profitiert dann massiv davon.

00:02:29: Gewohnheit

00:02:30: erzeugt halt Frequenz und Frequenz belebt den Handel.

00:02:33: Aber Moment mal, da muss ich jetzt mal kurz provokant reingrätschen.

00:02:36: Wenn das wirtschaftlich so ein genialer Hebel ist... Warum machen das dann nicht alle Städte?

00:02:42: Naja die Umsetzung ist oft!

00:02:45: Weil die Realität für Kreative sieht doch meistens so aus.

00:02:48: Jemand will eine Galerie in einer alten Bäckerei aufmachen und zack an nächsten Tag steht das Bauamt auf der Matte Brandschutz Lärmschutz Nutzungsänderungen.

00:02:57: Ersticken wir unsere Kreativität dann nicht sofort im Keim?

00:03:00: Völlig richtig.

00:03:02: Genau das ist so der Flaschenhals, an dem unzählige Projekte zerbrechen!

00:03:07: Man stürzt sich voller Ontoviasmus in die Renovierung und plötzlich explodieren die Kosten.

00:03:12: Wegen der ganzen behördlichen Auflagen dann.

00:03:14: Exakt... Und deshalb rückt der Leitfaden die sogenannte Planungsphase Null so stark in den Fokus.

00:03:21: Phase Null also noch bevor überhaupt der erste Pinselstrich gemacht wird?

00:03:24: Genauso ist es!

00:03:25: Phase NULL bedeutet Bevor man auch nur einen Cent in den eigentlichen Umbau steckt, holt man alle an einen Tisch.

00:03:33: Bauamt, Feuerwehr, Anwohner... Man klärt diese ganzen harten Fakten einfach vorab!

00:03:39: Also so was wie viele Toiletten brauchen wir für Hundert Gäste oder so?

00:03:43: Richtig

00:03:43: – oder wie laut darf's eigentlich

00:03:45: werden?!

00:03:46: Das schafft einen strategischen Fahrplan und nimmt den Behörden die

00:03:50: Angst.

00:03:51: Und den Kreativen wahrscheinlich das enorme finanzielle Risiko, dass sie später alles wieder abreißen müssen?

00:03:55: Absolut!

00:03:56: Zum Thema Lautstärke gibt es in Brandenburg ja mittlerweile auch richtig handfeste Werkzeuge.

00:04:01: Die Freizeit Lärmrichtinie zum Beispiel gibt Veranstaltern da endlich einen verlässlichen Rahmen.

00:04:07: Ja,

00:04:07: das ist eine riesige Erleichterung.

00:04:09: Für seltene Events sind tagsüber jetzt bis zu siebzig Dezibel erlaubt.

00:04:13: Man muss also nicht mehr bei jedem Straßenfest zittern, dass ein Anwohner sofort das Ordnungsamt ruft.

00:04:18: Diese rechtliche Sicherheit ist wirklich goldwert!

00:04:21: Aber selbst wenn die Planung total wasserdicht ist bleibt ja oft noch der Elefant im Raum.

00:04:27: Die Immobilien selbst oder?

00:04:28: Genau Wie kommt man überhaupt an die Flächen?

00:04:32: Die gehören ja oft irgendwelchen Spekulanten, die sie lieber leer stehen lassen.

00:04:36: Da wird's richtig spannend, finde ich.

00:04:38: Denn die Städte können ja aktiv eingreifen!

00:04:40: In Angermünde drohte zum Beispiel das denkmalgeschützter Haus Uckermark in einer Zwangsversteigerung an den Meistbietenden zufallen.

00:04:48: Wahnsinn!

00:04:49: Und

00:04:49: die Stadt hat sich über ihr Vorkaufsrecht quasi dazwischen geworfen und das Gebäude einfach gerettet...

00:04:53: ...und wenn eine Stadt so ein Gebäudes dann hat darf sie halt nicht den Fehler machen es einfach an den Nächstbesten zu verkaufen.

00:05:00: In Zedinik wurde eine alte Schule zum Beispiel über ein sogenanntes Konzeptverfahren vergeben.

00:05:05: Das müssen wir kurz erklären, das finde ich nämlich einen echten Gamechanger.

00:05:09: Normalerweise verkauft ne Kommune ja an den der am meisten zahlt!

00:05:14: Richtig – Der höchste Preis gewinnt.

00:05:16: Aber beim Konzept-Verfahren dreht man den Spieß einfach um.

00:05:20: Der Zuschlag geht an die beste Idee für die Gesellschaft

00:05:23: Und in Zedinnik wurde daraus dann ein Co-Working und Wohnprojekt.

00:05:27: Das Ganze wurde dann noch mit einem Erbbaurecht gekoppelt.

00:05:30: Ah, das heißt die Kreativen mussten das Grundstück gar nicht für viel Geld kaufen sondern pachten es stattdessen über Jahrzehnte?

00:05:37: Ganz genau!

00:05:38: Das senkt diese riesige Einstiegshürde enorm.

00:05:41: man muss halt keine Millionenkredite aufnehmen um überhaupt loszulegen.

00:05:45: Trotzdem muss so ein Umbau ja bezahlt werden.

00:05:47: Wer stimmt das denn am Ende?

00:05:49: Diese Finanzierung ist in der Praxis meistens so ein Mosaik.

00:05:53: Das Fundament sind oft große Fördergelder aus der Städtebauförderung von Land oder Bund.

00:05:58: Aber für die spontanen Dinge, also wenn man Beamer fehlt und man Farbe für die Wände braucht dafür gibt es dann unbuchratische Mikrofors für Kleinprojekte

00:06:08: wie in Neuropin.

00:06:09: da können Leute für kleine Vorhaben bis zu ein tausend Euro beantragen und das fast ohne Papierkram.

00:06:15: genau dass ist das Geniale daran.

00:06:17: Man muss keinen fünftigseitigen Businessplan schreiben sondern kann einfach machen.

00:06:21: Das

00:06:21: zeigt einfach wunderbar.

00:06:22: Wenn man den Menschen die richtigen Werkzeuge gibt, können sie ihre Stadt wirklich selbst neu erfinden.

00:06:27: Also wenn Sie das nächste Mal durch Ihre eigene Innenstadt laufen?

00:06:31: Welches leerstehende Gebäude hat eigentlich das Potenzial, Ihr nächster Lieblingsort zu werden?

00:06:37: Überlegen Sie mal!

00:06:38: Vielleicht braucht es ja nur jemanden mit einer kreativen Vision.

00:06:42: Das war eine weitere Folge von Snacks, dem Snackable Podcast.

00:06:46: Produziert von Ström New Audio Culture?

00:06:48: Schauen Sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.

00:06:52: Bis zur nächsten Folge!

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