#103 King’s Cross: Wie aus Industriebrache ein lebendiges Stadtquartier wurde
Shownotes
Wir sprechen über die Transformation von King’s Cross in London – von einer lange vernachlässigten Industrie- und Bahnfläche zu einem der bekanntesten Beispiele moderner Quartiersentwicklung. Über zwei Jahrzehnte entstand ein neues Stadtviertel, bei dem öffentlicher Raum, Nachhaltigkeit und Nutzungsmischung eine zentrale Rolle spielen.
Besonders spannend ist der Umgang mit dem Bestand: Getreidespeicher, Gasometer und andere historische Industriebauten wurden nicht abgerissen, sondern in das neue Quartier integriert. Gleichzeitig entstanden Wohnungen, Arbeitsplätze, Kultur- und Freizeitangebote. Bezahlbarer Wohnraum und die Beteiligung der Nachbarschaft sollen dafür sorgen, dass King’s Cross nicht nur ein attraktiver Unternehmensstandort, sondern ein Stück Stadt für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen bleibt.
Was ihr mitnehmt:
- Wie aus einer Industriebrache ein neues Londoner Stadtquartier entstand.
- Warum historische Gebäude für die Identität von King’s Cross entscheidend sind.
- Welche Bedeutung öffentliche Räume für die Entwicklung haben.
- Wie Nutzungsmischung und bezahlbarer Wohnraum zusammengedacht werden.
- Warum Freiräume und kreative Aneignung zur Lebendigkeit eines Quartiers beitragen.
… und für den Deep Dive ins Rabbit Hole: https://www.kingscross.co.uk/about-the-development
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks dem Snackable Podcast, produziert von Ströms New Audio Culture.
00:00:06: Stellen Sie sich einmal ganz kurz vor Drogenhandel offene Prostitutionen wo man de Besse aus illegalem Lagerhaus raves?
00:00:14: Oh ja das klassische London der Neunziger!
00:00:17: Genau das war Kings Cross in den neunzigen Jahren.
00:00:20: aber heute also wenn sie da heute hingehen ist exakt dieses Areal eines der lebenswertesten und auch erfolgreichsten Stadtviertel Europas.
00:00:30: Wahnsinn, eigentlich diese Entwicklung.
00:00:32: Absolut!
00:00:32: Und da haben wir uns gefragt wie gelingt so eine radikale Transformation?
00:00:38: Also ohne dass am Ende einfach nur ein so ein steriles seelenloses Betonviertel entsteht?
00:00:44: Ja und dann liegt der Schlüssel spannenderweise gar nicht primär im Beton sondern viel mehr in der Philosophie des öffentlichen Raums.
00:00:52: Es geht um die grundlegende Frage, also wie baut man eigentlich ein Viertel in dem die Menschen nicht nur hastig zum Bahnhof hetzen sondern wirklich bleiben wollen?
00:01:02: Und da finde ich den Ansatz der Planer extrem erfrischend.
00:01:05: Das ist im Grunde so als würden sie eine Party schmeißen.
00:01:10: Okay schöner Vergleich!
00:01:12: Ja oder?
00:01:13: Also Sie laden Gäste ein und vertrauen ihnen anstatt jedem an der Tür gleich ein strenges Regelbuch in die Hand zu drücken.
00:01:19: In Kings Cross gilt statt Betreten verboten, ganz offiziell so eine Warum nicht?
00:01:23: Kultur.
00:01:24: Genau dieses Warum Nicht?
00:01:25: das merkt man da überall!
00:01:26: Richtig Sie wollen ihr eigenes Bier mitbringen?
00:01:29: Klar machen sie Skaten auf dem Kunstrasen am Regionsknall picknicken?
00:01:33: Alles ausdrücklich erlaubt.
00:01:34: Genau solange niemand belästigt wird.
00:01:36: Und hier sehen wir eben diesen Mechanismus organischer Gemeinschaftsentwicklung am Werk.
00:01:43: Wenn der öffentliche Raum den Leuten Freiheiten lässt, statt sie ständig zu gängeln dann eignen sich die Menschen diesen Raum an.
00:01:51: Die machen den quasi zu ihrem eigenen?
00:01:53: Exakt!
00:01:54: Plötzlich entstehen Dinge, die waren völlig ungeplant.
00:01:58: also kostenlose Yoga-Klassen am Morgen zum Beispiel.
00:02:01: Ach, klasse.
00:02:02: Ja?
00:02:02: Oder Jugendliche die ungestört einen Tanz für Social Media proben Das Viertel atmet weil es eben nicht durch Restriktion komplett erdrückt wird.
00:02:11: Aber Freiheit allein baut ja jetzt noch keine Stadt.
00:02:15: ne
00:02:15: Nee das stimmt.
00:02:16: Also wie übersetzt man dieses Warum Nicht Jetzt in handfeste Straßen und Gebäude?
00:02:22: Man kann ja nicht einfach überall Kunstrasen ausrollen Und dann hoffen dass es irgendwie gemütlich wird.
00:02:27: Richtig, da braucht es mehr.
00:02:28: Der architektonische Kniff lag hier im bewussten Verzicht auf Eitelkeiten.
00:02:34: Man hat ganz gezielt sogenannte Stararchitekten vermieden.
00:02:38: Ah ok weil die sich sonst mit exzentrischen Gebäuden ein Denkmal setzen wollen.
00:02:42: Ganz genau!
00:02:42: Hier sind die Gebäude eben nicht das Hauptgemälde Die bilden lediglich den Rahmen.
00:02:47: der eigentliche Star Das ist der öffentliche Raum dazwischen.
00:02:51: Historische Bauten wie der alte Getreidespeicher wurden zwar integriert,
00:02:55: aber die ordnen sich quasi dem Platzangebot unter?
00:02:57: Ja, hundert Prozent!
00:02:59: Wobei die waren ja beim Thema Historie auch knallhart pragmatisch.
00:03:02: also wenn wir an alte Londoner Straßen denken haben wir doch sofort dieses romantische Kopfsteinpflaster im Kopf oder?
00:03:08: Ohja wunderschön anzusehen.
00:03:10: Optisch wunderschön Aber wenn sie da mal mit einem Kinderwagen oder einem Rollstuhl drüber müssen is das der reinste Horror
00:03:17: Ganz genau.
00:03:18: Und deshalb flog dieses Plaster in Kings Cross auch fast überall raus!
00:03:22: Echt?
00:03:22: Einfach
00:03:23: weg?!
00:03:23: Ja, das wurde durch glatte Sandsteinplatten ersetzt.
00:03:26: Barrierefreiheit schlägt hier ganz radikal diese nostalgische Ästhetik... Das alte Pflaster liegt heute nur noch da, wo ohnehin niemand rollt – also etwa unter Fahrrad-Ständern.
00:03:37: Finde ich stark….
00:03:38: Jetzt muss sich aber mal kurz den Spielverderber spielen.
00:03:41: Nur zu.
00:03:42: Wir reden hier von einem Projekt, dass rund drei Milliarden Euro verschlungen hat.
00:03:47: Also Immobilienentwickler wollen normalerweise jeden Quadratzentimeter zu Geld machen und am liebsten bis in den Himmel bauen.
00:03:54: Ja logisch Rendite eben!
00:03:56: Genau, warum sollten rendite getriebene Investoren freiwillig auf Einnahmen verzichten und so viel leeren Raum lassen?
00:04:03: Haben die da nicht ein Vermögen verschenkt?
00:04:05: Das
00:04:05: ist ein extrem wichtiger Punkt.
00:04:08: Ein Teil der Antwort liegt ganz einfach in der Bauordnung, es gibt dort geschützte listorische Sichtachsen zu St Pauls Cathedral.
00:04:15: Ah ok!
00:04:15: Die durften also gar nicht hochbauen.
00:04:17: Richtig Wolkenkratzer waren in bestimmten Zonen schlichtweg verboten.
00:04:21: aber der eigentlich brillante Schachzug das war das finanzielle Verständnis von langfristiger Wertsteigerung.
00:04:28: Nehmen wir mal den alten Gasometer Statt den bis unter die Decke mit Luxuswohnungen voll zu stopfen, wurde der zu einem kleinen kreisrunden Pack umgebaut.
00:04:38: Aber Moment!
00:04:39: Ein Park bringt doch gar keine direkten Mieteinnahmen?
00:04:42: Direkt nicht nein aber er fungiert als Anker.
00:04:46: ein Park steigert die Attraktivität des gesamten Viertels massiv.
00:04:50: Die Entwickler haben verstanden wenn ich einen Ort schaffe der eine extrem hohe Lebensqualität bietet
00:04:56: Dann steigen auch die Preise drum herum.
00:04:58: Exakt Die Immobilienpreise und Gewerbemieten im direkten Umfeld dieses Parks, die sind drastisch gestiegen.
00:05:06: Der Verzicht auf schnelleren Diethe rechnet sich also durch den enormen Wertzuwachs des gesamten Ökosystemes.
00:05:20: fallen unter staatlich subventioniertes, also bezahlbares Wohnen.
00:05:23: Ja was für Londoner Verhältnisse wirklich beachtlich ist?
00:05:26: Absolut!
00:05:27: Aber richtig spannend finde ich den Kontrast beim Gewerbe.
00:05:30: Im alten Cole Drops Yard reiht sich so eine sterile Luxus-Boutique an die nächste
00:05:35: Und viele davon stehen gern entleer
00:05:38: Genau Während ein winziges Café in einer kleinen Seitengasse regelrecht brummt.
00:05:43: Redemption Roasters
00:05:44: Oh ja, ein tolles Projekt.
00:05:46: Das Konzept ist fantastisch, finde ich.
00:05:49: die beschäftigen ehemalige Heftlinge, um die Rückfallquoten zu senken.
00:05:53: Aber ganz ehrlich!
00:05:55: Wie kann sich so ein Sozialprojekt die Miete in so einem teuren drei Milliarden Euro-Viertel überhaupt leisten?
00:06:01: Durch einen sehr cleveren Hebel der Entwickler und zwar eine umsatzbasierte Miete.
00:06:07: Ah
00:06:08: okay...
00:06:09: Das Café zahlt also keine erdrückende feste Grundmiete jeden Monat sondern einen Prozentsatz der tatsächlichen Einnahmen.
00:06:17: Für das Café minimiert das das Risiko enorm.
00:06:20: Wenn der Laden mal nicht läuft, bricht denen die Miete nicht sofort das Genick!
00:06:24: Und der Vermieter profitiert im Gegenzug direkt vom sprudelnden Umsatz.
00:06:28: wenn das Konzept einschlägt und die Leute da Schlange stehen?
00:06:31: Genau – und das motiviert den Vermietern natürlich auch für ordentlich Publikumsverkehr im Viertel zu sorgen.
00:06:37: Clever….
00:06:38: Da haben also beide Seiten was davon.
00:06:40: Ja, das Modell bringt die Interessen wirklich in Einklang und es zeigt vor allem eines sehr deutlich.
00:06:48: Echter kommerzieller Erfolg entsteht oft genau dort wo Raum für echtes soziales Leben geschaffen wird.
00:06:56: Was uns eigentlich zu einem wichtigen Gedanken für den Alltag führt finde ich.
00:07:00: wenn sie das nächste mal durch ihr eigenes Viertel spazieren achten Sie einmal ganz bewusst darauf.
00:07:05: Spüren Sie dort eher ein strenges unsichtbares Regelbuch oder so eine Einladende warum nicht Kultur.
00:07:13: Das
00:07:13: ist ein richtig guter Punkt!
00:07:14: Ja fragen Sie sich mal, wie viel Ihres städtischen Raums gehört wirklich der Gemeinschaft?
00:07:19: Eine wunderbare Frage um den eigenen Blick auf die Stadtmasung bisschen zu schärfen.
00:07:23: Wenn Ihnen liebe Zuhörer diese tiefgehende Analyse gefallen hat und sie genauso gerne Neues entdecken wie wir dann empfehlen sie diesen Podcast doch sehr gerne an Freunde Kollegen oder andere neugierige Köpfe weiter
00:07:35: Auf jeden Fall.
00:07:35: Wir freuen uns über jeden, der mithört!
00:07:37: Das war eine weitere Folge von Snacks dem Snackable Podcast.
00:07:42: Produziert von Ström New Audio Culture.
00:07:45: Schauen Sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.
00:07:48: Bis zur nächsten Folge.
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