#100 Zukunft im Rückspiegel: Was wir in 99 Folgen gelernt haben
Shownotes
00 Folgen SNAXX – Zeit für einen Blick zurück. Und nach vorn.
Was hat uns in den ersten 99 Folgen beschäftigt? Welche Themen sind geblieben? Welche sind neu hinzugekommen? Und bei welchen Fragen hat sich unser Blick inzwischen verändert?
SNAXX ist angetreten, um komplexe Themen rund um Bauen, Stadt und Zukunft in kleine, verständliche Wissenssnacks zu übersetzen. Nach 99 Folgen zeigt sich: Viele vermeintlich einzelne Themen hängen sehr viel enger miteinander zusammen, als es zunächst scheint.
Da ist die Frage, wie wir mit unserem Gebäudebestand umgehen. Abriss oder Weiterbauen? Wie können Re-Use, Kreislaufwirtschaft und neue Materialien dazu beitragen, Ressourcen zu schonen? Und was bedeutet eine echte Umbaukultur für Architektur und Bauwirtschaft?
Gleichzeitig zieht sich die Wohnungsfrage durch viele Folgen. Es geht um bezahlbares Wohnen, neue Typologien, veränderte Lebensmodelle und die Frage, ob unsere heutigen Planungs- und Bauprozesse überhaupt noch schnell und flexibel genug auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können.
Auch die Stadt selbst verändert sich. Innenstädte suchen nach neuen Funktionen, Leerstände werden zum Experimentierraum, Mobilität muss neu gedacht werden und Quartiere sollen gleichzeitig dichter, grüner, sozialer und klimaresilienter werden.
Und dann ist da die technologische Ebene: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Planung, Architektur und Immobilienwirtschaft. Sie eröffnen neue Möglichkeiten – werfen aber gleichzeitig neue Fragen nach Verantwortung, Qualität und der Rolle des Menschen auf.
In den jüngeren Folgen ist ein weiterer Aspekt stärker hinzugekommen: Resilienz. Was müssen Gebäude, Städte und Infrastrukturen künftig leisten? Energieversorgung, Klimaanpassung und robuste Infrastrukturen gehören ebenso dazu wie neue Debatten über Dual Use und Defence Properties.
Die großen Themen der ersten 99 Folgen
- Architektur & Baukultur: Was macht gute Architektur aus – und welche Verantwortung trägt sie für unsere gebaute Umwelt?
- Bestand & Umbaukultur: Warum das Gebäude, das schon steht, zunehmend zum wichtigsten Rohstoff der Bauwirtschaft wird.
- Kreislaufwirtschaft & Re-Use: Wie Bauteile, Materialien und ganze Gebäude länger im Kreislauf bleiben können.
- Wohnen: Welche neuen Wohnformen und Gebäudetypologien wir für eine sich wandelnde Gesellschaft brauchen.
- Stadt & Quartier: Wie aus einzelnen Gebäuden lebenswerte Nachbarschaften und resiliente Stadtteile entstehen.
- Innenstadt & Leerstand: Warum die Krise klassischer Nutzungen auch Raum für neue Ideen schafft.
- Mobilität: Wie sich die Verkehrswende auf Straßenräume, Quartiere und unsere Vorstellung von Stadt auswirkt.
- Klima & Energie: Wie sich Gebäude und Städte auf Hitze, Wasserknappheit und eine neue Energieversorgung einstellen müssen.
- Digitalisierung & KI: Wie neue Technologien Planung und Bauen verändern – und wo ihre Grenzen liegen.
- Kreativwirtschaft & Beteiligung: Warum Stadtentwicklung nicht allein am Planungstisch entsteht.
- Ländliche Räume: Welche Zukunft jenseits der Metropolen möglich ist und was gesellschaftlicher Zusammenhalt damit zu tun hat.
- Planung & Kooperation: Warum die großen Aufgaben kaum noch innerhalb einzelner Disziplinen gelöst werden können.
- Resilienz, Dual Use & Defence: Weshalb Sicherheit und Anpassungsfähigkeit wieder stärker Teil der Debatte über Gebäude und Infrastruktur werden.
Mit „Inside Architects“ ist außerdem eine neue Perspektive hinzugekommen: der unmittelbare Blick in Architekturbüros und ihre Arbeitsweise – unter anderem bei AFF Architekten und Octagon. Nicht nur das fertige Gebäude interessiert, sondern auch die Haltung, die Prozesse und die Menschen dahinter.
Was bleibt nach 99 Folgen?
Vielleicht vor allem eine Erkenntnis:
Die Zukunft des Bauens ist kein einzelnes Thema.
Klima lässt sich nicht ohne Mobilität denken. Wohnen nicht ohne Boden und Stadtentwicklung. Kreislaufwirtschaft nicht ohne Architektur und Bauwirtschaft. Digitalisierung nicht ohne die Menschen, die mit ihr arbeiten. Und Resilienz nicht ohne die Frage, welche Städte und Gebäude wir langfristig überhaupt brauchen.
Genau an diesen Schnittstellen wird es interessant.
Folge 100 ist deshalb nicht nur ein Rückblick. Sie ist eine Zwischenbilanz – und gleichzeitig der Ausgangspunkt für die nächsten 100 Wissenssnacks.
Denn an Themen mangelt es ganz sicher nicht.
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Snacks, dem Snackable Podcast produziert von Ström New Audio Culture.
00:00:09: Was haben?
00:00:09: ein streng geheimes Militärprojekt?
00:00:12: Eine gigantische vernetzte Klimaanlage in Singapur und sagen wir mal einen komplett leer stehendes Kaufhaus in der Kölner Innenstadt gemeinsam!
00:00:22: auf den allerersten Blick wahrscheinlich absolut gar nichts oder?
00:00:26: Genau, absolut gar nix.
00:00:27: Aber und das ist das Spannende wenn wir da mal genauer hin sehen zwingen uns exakt diese Dinge gerade dazu im Grunde alles was wir über Stadtplanung Architektur und unsere Umwelt zu wissen glaubten komplett über den Haufen zu werfen.
00:00:41: Ja, das ist wirklich wahr.
00:00:42: Und damit willkommen zu unserer hundertsten Tiefgehenden-Analyse unserer gebauten Umwelt!
00:00:48: Und bevor Sie, liebe Hörerinnen und Hörern sich jetzt Sorgen machen – nein, das hier wird keine langweilige Bestaufliste!
00:00:54: Zum Glück!
00:00:55: Ja ne?
00:00:56: Wir lehnen uns heute nicht zurück und klopfen uns für Runderausgaben gegenseitig auf die Schulte….
00:01:02: Nee, das würde dem Ernst der Lage über die wir ja oft sprechen und auch der Tiefe unserer bisherigen Recherchen wirklich absolut nicht gerecht werden.
00:01:10: Ganz genau!
00:01:11: Stattdessen haben wir für Sie etwas viel Spannenderes vor – Wir haben nämlich die ganzen Stapel an Studienartikeln und Recherche der letzten neunundneinzig Ausgaben mal so richtig durchforstet.
00:01:24: Einfach um dieses große verborgene Muster dahinterzufinden wie so Puzzleteile, die man auf den Tisch legt.
00:01:30: Und weißt du, was mir bei der Vorbereitung wirklich wie Schuppen von den Augen gefallen ist?
00:01:34: Was denn?
00:01:35: Wenn man all diese scheinbar völlig isolierten Themen mal zusammen betrachtet dann schält sich eigentlich eine einzige gewaltige Erkenntnis heraus.
00:01:45: Wir haben in unserer Gesellschaft längst kein Ideenproblem mehr!
00:01:49: Absolut nicht.
00:01:50: nein
00:01:50: Es mangelt uns nicht an diesen klugen Konzepten.
00:01:54: Unsere mit Abstand knappste Ressource ist heute schlicht untergreifend die Umsetzungsfähigkeit.
00:01:59: Ja, das ist exakt der Wundepunkt an dem wir stehen.
00:02:02: Also wenn man unser eigenes Archiv mal als reinen Datenraum analysiert dann sieht man diese tektonische Verschiebung wirklich extrem deutlich.
00:02:12: Wenn Menschen heute den Begriff gebaute Umwelt hören, dann denken die ja meistens instinktiv an Ziegel und flüssigen Beton vielleicht an Stahlträger?
00:02:20: Ja klar!
00:02:20: Das klassische Gebäude halt.
00:02:22: Genau.
00:02:23: Aber als wir die Themen unserer vergangenen Analysen jetzt mal quantifiziert haben, kam etwas total verblüffendes heraus.
00:02:30: Nur knapp ein Viertel unseres Archivs befasst sich überhaupt primär mit dem physischen Gebäude an sich.
00:02:35: Krass!
00:02:36: Nur ein Vögel?
00:02:37: Ja wirklich der gewaltige Rest also mehr als seventy-fünf Prozent dreht sich um Governance, um Regulatorik Klimaresilienz Gesellschaftsstrukturen und natürlich Digitalisierung.
00:02:49: Das ist Wahnsinn.
00:02:50: ja
00:02:50: Wir diskutieren eigentlich fast nur noch über diese Systeme und die unsichtbaren Bedingungen, unter denen eine Stadt überhaupt erst entstehen kann.
00:02:57: Und
00:02:57: genau an diesem Punkt glaube ich müssen wir ansetzen um zu verstehen warum ausgerechnet diese Umsetzung unser absoluter Entgegner geworden ist.
00:03:06: Lass uns mal kurz nachvollziehen wie rasant sich unser Blickwinkel da eigentlich geweitet hat.
00:03:11: weil wenn ich an unserer aller ersten Analysen zurückdenke dann waren wir ja noch total fasziniert von Technologie als so einem glänzenden neuen Werkzeug.
00:03:19: Ja, absolut.
00:03:20: Wir haben über künstliche Intelligenz gestaunt die da eben wie auf Knopfdruck diese fotorealistischen Renderings von Wolkenkratzern ausspuckt.
00:03:28: Oh ja das war der halb schlechthin?
00:03:30: Genau!
00:03:31: Aber diese Faszination für dieses isolierte Objekt hat sich doch wahnsinnig schnell abgenutzt oder?
00:03:38: Total.
00:03:39: Der Fokus ist vom reinen Werkzeug ganz schnell Ja, auf die institutionelle Produktivität gewandert.
00:03:46: Schon ein paar Studien später haben wir ja gar nicht mehr gefragt ob die KI jetzt schöne Bilder macht.
00:03:50: Die drängende Frage war plötzlich Kann dieser Algorithmus eigentlich die quälend langsamen Baugenehmigungsprozesse in unseren Ämtern beschleunigen?
00:03:59: Stimmt ja!
00:04:00: Kann der vielleicht Bebauungspläne automatisch auf Kulisionen prüfen?
00:04:04: und diese krasse Ausweitung des Maßstabs Also wirklich weg vom einzelnen Haus hin zum ganzen System.
00:04:10: Die gipfelt ja perfekt in unsere Analyse aus der neunundneunzigsten Ausgabe.
00:04:14: Ah,
00:04:14: du meinst das Forschungsprojekt QLCA?
00:04:17: Genau!
00:04:18: Ja die Lebenszyklusanalyse für ganze Quartiere.
00:04:21: Das sollten wir vielleicht noch mal kurz aufdröseln weil das verändert quasi die gesamte Mathematik der Stadtplanung
00:04:29: Absolut.
00:04:30: Bisher haben wir uns immer auf die Schulter geklopft, wenn wir ein einzelnes supereffizientes Passivhaus auf so eine grüne Wiese gestellt haben.
00:04:37: Richtig!
00:04:38: Aber QLCA sagte halt... das ist viel zu kurz gedacht ne?
00:04:42: Viel
00:04:43: zu kurz.
00:04:44: Das Projekt bewertet eben nicht mehr isoliert die Energieeffizienz von diesem einen Haus.
00:04:48: es nimmt wirklich das ganze Viertel in den Blick.
00:04:51: Warum?
00:04:52: Weil die Mechanismen einer Stadt nur im Verbund funktionieren.
00:04:55: Es bringt ökologische überhaupt nichts ein komplett klimaneutrales Haus zu bauen, wenn die Bewohner dann jeden Tag nur mit dem SUV dorthin gelangen
00:05:02: können.
00:05:02: Ja und wir dafür da neue Straßen asfaltieren müssen, die Unmengen an grauer Energie verschlingen richtig.
00:05:07: Exakt!
00:05:08: Auf Quartiersebene können wir plötzlich Synergien berichten.
00:05:12: Wenn wir das System betrachten erkennen wird zum Beispiel dass die Abwärme eines riesigen Serverraums in Gebäude A genutzt werden kann um das stetische Schwimmbad in Geb säude B direkt zur Heizen.
00:05:23: Ach
00:05:23: krass ja.
00:05:24: Wenn ich aber die Gebäude nur isoliert in irgendwelchen Excel-Tabellen bewerte, taucht diese Lösung niemals auf.
00:05:30: Wir bewerten also nicht mehr die Hülle sondern quasi das Betriebssystem der Stadt.
00:05:34: Weißt du mich erinnert es total stark an dieses Gefühl wenn man Google Earth bedient?
00:05:38: Oh ja!
00:05:39: Guter Vergleich.
00:05:40: Also man tippt so eine Adresse ein und die Kamera zoomt ganz nah auf dieses eine schicke Haus.
00:05:45: Man sieht den Garten, vielleicht das Dach?
00:05:47: Und dann scrollt man mit der Maus so ein kleines Stückchen raus... ...und sieht plötzlich die Nachbarschaft!
00:05:52: Die ganze Versiegelung der Flächen
00:05:54: drumherum?!
00:05:54: Ja genau.
00:05:55: Und dann zoomten wir noch weiter raus.. ..und auf einmal erscheint auf dem Bildschirm das gesamte Verkehrskitter,... ....die ganzen Stromtrassen, die Pendlerströme am Morgen.
00:06:06: Ja es ist ein super Bild dafür.
00:06:08: Aber.... Und da muss ich jetzt echt mal den Spielverderber spielen.
00:06:13: Macht dieser gigantische Systemblick die Lösung unserer ohnehin schon komplexen Probleme nicht völlig unmöglich?
00:06:20: Wie meinst du das genau?
00:06:21: Naja, stellen sich das mal vor liebe Hörerinnen und Hörern!
00:06:24: Wenn sie als Stadtplaner eine neue Grundschule bauen wollen... Und diese Schule ist auf einmal nicht mehr nur ein simpler Ort für Kinder zum Lernen, sondern gleichzeitig einen Knotenpunkt für Mobilität.
00:06:37: Ein Materialdepot für künftige Generationen.
00:06:40: Einen Quartiersheitskraftwerk und noch ein soziales Finanzierungsprojekt.
00:06:45: lämt uns dieser absolute Anspruch auf Perfektion da nicht total?
00:06:49: Ja also es fühlt sich im ersten Moment natürlich wie eine absolute Überforderung an, da hast du völlig recht!
00:06:55: Die Komplexität steigt da exponentiell
00:06:58: eben.
00:06:58: Aber die harte Realität, die wir aus all diesen Quellen und Studien herausgelesen haben ist eine andere.
00:07:05: Isolierte unter komplexe Lösungen scheitern in der Praxis unweigerlich.
00:07:11: Wenn wir das Quartier nicht mitdenken dann bauen wir heute die Bauruinen von morgen.
00:07:16: Und genau diese Erkenntnis also dass wirklich alles mit allem zusammenhängt Die zwingt uns zu einem radikalen Perspektivwechsel.
00:07:25: Und der wäre?
00:07:26: Wenn alles vernetzte ist, dann können wir nicht mehr so tun als hätten wir ein leeres weißes Blatt Papier vor uns.
00:07:32: Der logische Ausgangspunkt für jegliche Stadtentwicklung ist damit eigentlich die größte physische und materielle Ressource, die wir überhaupt besitzen.
00:07:40: Das ist eben nicht der Abrissbagger und der tolle Neubau!
00:07:43: Genau
00:07:45: das ist der Bestand
00:07:46: was uns ja wirklich nahtlos zu dieser massiven Umbaukultur führt, die wie in so vielen aktuellen Studien beobachten können
00:07:54: Ja absolut.
00:07:55: Also in der klassischen Architektur galt ja der Umbau eines alten Gebäudes jahrzehntelang eher als so ein mühsamer, ungeliebter Sonderfall.
00:08:04: Ja,
00:08:04: keiner wollte das machen!
00:08:05: Genau man wollte lieber den eigenen glänzenden Entwurf aus dem Studium verwirklichen.
00:08:10: aber aus diesem Sonderfall ist ja längst die eigentliche Ausgangslage geworden
00:08:14: und das bringt uns auch endlich weg von diesen ganzen architektonischen Leuchtturmprojekten über die früher in den Fachmagazinen so gerne berichtet wurde.
00:08:22: Die wahre Dynamik entsteht heute in der alltäglichen sozialen Infrastruktur.
00:08:27: Ein fantastisches Beispiel aus unseren Analysen ist daher die Entwicklung in der Berliner Magdalenenstraße.
00:08:32: Oh ja, das Projekt!
00:08:33: Weißt du noch?
00:08:35: Dort haben Bürgerinitiativen eine ehemalige Bürofläche der Stasi also wirklich einen gigantischen Gebäudekomplex, der historisch emotional und baulich extrem schwer aufgeladen ist – im gemeinschaftlichen und vor allem bezahlbaren Wohnraum für dutzende Menschen verwandelt.
00:08:51: Das war so eine Wahnsinns-Transformation?
00:08:54: Ja oder, nimm das Projekt in der Kölner Hohe Straße.
00:08:57: Ein altes völlig fensterloses Kaufhaus, dass eigentlich dem Tode gewaltbar.
00:09:01: Ja, so ein typischer Klotz halt!
00:09:03: Genau und es wird aber nicht abgerissen.
00:09:06: Es wird zum Interim für die Zentralbibliothek umfunktioniert.
00:09:09: Inklusive Makerspace, Nähmaschinen und Lernplätzen und das Mitten in der Fußgängerzone.
00:09:15: Und das ist, finde ich genau der Punkt an dem wir unseren eigenen Innovationsbegriff mal völlig neu kalibrieren müssen.
00:09:22: Bisher haben wir doch in der Architektur Innovation oft einfach mit dem Wort Neuheit gleichgesetzt!
00:09:27: Ja, das stimmt.
00:09:28: Ein
00:09:28: noch spitzerer Turm?
00:09:30: Eine noch verrückte Glasfassade?
00:09:33: Eine wilde Geometrie die der Computer berechnet hat?
00:09:37: Aber wenn ich dir so zuhöre dann besteht die härtest und wichtigste Innovation unserer Zeit im Grunde darin an einem verregneten Dienstagvormittag vor einem grauen hässlichen Betonklotz aus den Siebzigern zu stehen und darin ernsthaft die Zukunft zu erkennen!
00:09:51: Das hast du schön gesagt, ja.
00:09:52: Zu sagen da steckt unsere gebundene Energie drin Da sind unsere Tonnen angegossene Material und da bauen wir jetzt unsere Bibliothek rein.
00:10:01: Genau das ist die intellektuelle Transferleistung die wir heute brauchen.
00:10:04: Innovation bedeutet dass vorhandene völlig neu zu kodieren.
00:10:08: Aber und das ist das große aber Dass wir aus all den Quellen ziehen müssen um diese Innovationen überhaupt auf die Straße zu bringen Reicht es eben nicht dass ein paar Architekten plötzlich den Charme von Waschbeton entdecken.
00:10:19: Ja, das reicht leider nicht.
00:10:20: Die Strukturen dahinter müssen mitspielen.
00:10:23: wir brauchen dafür eine grundlegend andere Planungskultur.
00:10:27: Das haben wir ja intensiv beleuchtet als wir uns dieses Policy Paper der nationalen Stadtentwicklungspolitik vorgenommen
00:10:33: haben.
00:10:34: Ah richtig!
00:10:40: Genau, Realabore.
00:10:41: Das bedeutet ja im Prinzip das Verwaltung, Zivilgesellschaft und Planer unter ganz echten Bedingungen direkt vor Ort testen ob zum Beispiel so eine Verkehrsberuhigung oder net Zwischennutzung funktioniert... Richtig!
00:10:55: ...anstatt dass immer nur jahrelang am Rechner zu simulieren.
00:10:58: Aber auch da – und da kommt wieder mein Spielverderber-Modus gibt es doch einen riesigen Haken, oder?
00:11:03: Wir in Deutschland sind doch absolute Weltmeister im Testen aber miserable Schüler im Skalieren.
00:11:08: Das hast du perfekt zusammengefasst.
00:11:10: Und genau das benennt dieses Policy Paper ja auch schonungslos mit diesem herrlichen Begriff der Pilotitis.
00:11:17: Pilotitis, ja!
00:11:19: Das ist wirklich eine chronische Krankheit der modernen Stadtentwicklung.
00:11:23: Stell dir das mal vor wie das in der Realität abläuft?
00:11:26: Okay
00:11:27: Es gibt ein innovatives Projekt.
00:11:29: dafür wird dann einen spezieller sehr bunter Fördertopf aufgemacht.
00:11:33: Weil es ein Pilotprojekt ist, dürfen verschiedene Ämter ausnahmsweise mal ressortübergreifend zusammenarbeiten.
00:11:39: Das absolute Wunder in der Verwaltung!
00:11:41: Genau – alle sind hoch motiviert.
00:11:44: das Projekt wird ein voller Erfolg.
00:11:46: Der Bürgermeister lässt sich strahlen für die Lokalzeitung fotografieren
00:11:49: Und dann?
00:11:50: Tja… Dann läuft sie auf drei Jahre befristete Projektfinanzierung aus.
00:11:55: Exakt.
00:11:56: Und weil das normale, dauerhafte Budget der Stadt weiterhin in diesen strikt getrennten Silos – der einzelnen Dezernatefest steckt also Tiefbauamt hier, Grünflächenamt dort – fehlt einfach der Mechanismus um dieses erfolgreiche Experiment in den Dauerbetrieb zu überführen.
00:12:12: Das ist so frustrierend!
00:12:14: Ja…das
00:12:15: Projekt verschwindet dann völlig sang- und klanglos in irgendeiner Schublade.
00:12:19: Wir testen uns im Grunde zur Tode aber wir verändern die institutionellen Regelwerke nicht.
00:12:24: Okay und was ist die Lösung?
00:12:26: Wenn Pilotitis die Krankheit ist, also Projekte immer nur ein einziges Mal unter so künstlichen Ausnahmepedingungen zu machen dann liegt die Heilung darin herauszufinden wie wir sie tausendmal extrem effizient unter ganz normalen Bedingungen wiederholen können.
00:12:41: Und womit wir dann unweigerlich bei einem Begriff landen der bei vielen kreativen Planern und Architekten sofort für hochgezogene Augenbrauen und so ein leichtes Bauchweh sorgt?
00:12:50: Standardisierung!
00:12:52: Richtig Standardisierung.
00:12:54: Aber ohne, kommen wir aus dieser Pilotitis-Falle einfach nicht heraus!
00:12:58: Wir haben uns dazu ja unter anderem die dramatischen Zahlen zum Investitionsstau im deutschen Schulbau angesehen.
00:13:07: Die Summen, die da fehlen, sind geradezu astronomisch und brechen rein physisch die Räume für die Bildung weg – da bringt es überhaupt nichts, jede einzelne kleine Grundschule in jedem Stadtteil komplett neu und wahnsinnig hoch individuell am Reißbrett zu
00:13:22: erfinden.".
00:13:23: Wir brauchen da serielle Vorfertigung und diesen modularen Bau, um die Bauzeiten von Jahren auf wenige Monate zu drücken.
00:13:31: Aber halt!
00:13:32: Da muss ich sofort einhaken.
00:13:34: Stellen Sie sich das mal vor liebe Hörerinnen und Hörern wenn sie an ihre eigene Stadt denken.
00:13:40: Wenn wir jetzt wirklich aus lauter Verzweiflung über diesen Investitionsstau anfangen – Schulen Kindergärten und vielleicht auch den Wohnungsbau so rigoros zu standardisieren?
00:13:51: Enten wir dann nicht zwangsläufig in so einer fruchtbar monotonen Dystopie?
00:13:55: Ja, das ist die Angst.
00:13:56: Bekommen wir eine Art Copy-Paste-Architektur bei der die Schule in München bis auf den allerletzten Millimeter exakt so aussieht wie die in Hamburg oder Berlin weil sie aus dem exakt gleichen Katalog bestellt wurde?
00:14:09: verlieren unsere Statte da nicht komplett ihr Gesicht?
00:14:12: Das ist ne völlig berechtigte architektonische Urangst.
00:14:15: das muss man ganz klar sagen.
00:14:17: ja.
00:14:17: oder
00:14:17: aber?
00:14:18: die Quellen die wir gelesen haben liefern eine Wirklich brillante Lösungen für dieses Standardisierungsparadoxern.
00:14:24: Der Fehler liegt nämlich in der Annahme, was genau wir da eigentlich standardisieren.
00:14:28: Okay,
00:14:28: erklär mal!
00:14:29: Wir dürfen auf gar keinen Fall das Endprodukt also das fertige Gebäude oder den spezifischen Raum gleichschalten.
00:14:36: Was wir standardisierend müssen ist der Prozess dorthin.
00:14:39: Ah... okay im Grunde also wie beim USB-C Kabel?
00:14:43: Wie
00:14:43: bitte?!
00:14:44: Naja nur weil der Stecker absolut standardisiert und genormt ist heißt es ja nicht dass ich nur ein einziges Gerät anschließen kann.
00:14:50: Ah, okay ja.
00:14:51: Im Gegenteil dieser total starre Standard beim Stecker erlaubt es ja erst eine unendliche Vielfalt an völlig unterschiedlichen Geräten Kameras, Laptops und Festplatten reibungslos miteinander kommunizieren zu lassen.
00:15:03: Der Standard limitiert die Technik nicht Er befreit sie eigentlich.
00:15:06: Wahnsinn!
00:15:07: Da triffst du den Nagel echt auf dem Kopf.
00:15:10: Das ist ne perfekte Analogie
00:15:11: Danke.
00:15:12: Auf das Bauen übertragen heißt das nämlich Wir brauchen standardisierte maschinenließbare Datenmodelle Wir brauchen bundesweit einheitliche Ausschreibungsbausteine für die Verwaltungen und vor allem diese standardisierten, radikal vereinfachten Genehmigungsprozesse.
00:15:28: Wenn wir dieser administrative Ebene also wirklich das bürokratische Fundament star normieren, saugen wir die Reibungsverluste aus dem System?
00:15:36: Ja, dass ergibt Sinn!
00:15:37: Und genau diese Energie – die Zeit und auch das viele Geld, die wir bei der Verwaltung sparen – können wir dann in die individuelle Gestaltung der Orte stecken.
00:15:46: Richtig Dass eine Holzfassade in der Fabrik modular vorgefertigt wird, hindert uns ja nicht im Geringsten daran das pädagogische Konzept im Inneren oder die kulturelle Einbettung in das jeweilige Viertel völlig maßgeschneider zu entwerfen?
00:16:00: Genau das.
00:16:01: Standardisierte Prozesse sind nicht der Feind von lokaler Identität – sie sind überhaupt erst die Voraussetzung dafür dass wir uns Vielfalt in der Breite in Zukunft überhaupt noch leisten können!
00:16:11: Das ist ein enorm wichtiger Perspektivwechsel, finde ich.
00:16:15: Standardisierte Prozesse für radikal individuelle Orte und wir müssen diese Prozisse ja nicht nur aus irgendeiner Laune heraus beschleunigen sondern weil wir massiv unter Druck stehen.
00:16:25: Ja!
00:16:25: Und wie?
00:16:26: Wenn wir uns die Studien der letzten Monate mal ansehen da rollen gerade drei extreme externe globale Schockwellen auf unsere Städte zu die uns absolut keine Zeit mehr für langwierige Pilotprojekte lassen Klima Daten und Geopolitik.
00:16:42: Lass uns mal mit der unerbittlichsten Welle anfangen, dem Klima.
00:16:46: Gerne!
00:16:47: Wir haben in den Quellen gesehen wie sich das Narrativ da ein letzter Zeit komplett verschoben hat.
00:16:52: Früher ging es in der Stadtplanung fast ausschließlich um Klimaschutz – also primär die Reduktion von Emissionen, um das Schlimmste noch zu verhindern.
00:17:00: Ja CO² sparen Dämmungen drauf.
00:17:02: Genau Heute sind wir aber mit beiden Beinen in der harten Realität, der Klimaresilienz angekommen.
00:17:08: Wir müssen unsere Städte physisch an die bereits unvermeidbaren Extreme anpassen!
00:17:13: Ein faszinierendes Beispiel wie so ein Anpassungsmechanismus aussieht kam aus Singapur.
00:17:19: Stimmt die Singapoor-Analyse?
00:17:21: Da geht die Stadtentwicklungsbehörde ja nicht mehr hin und bittet jeden Bauherrn einzeln eine eigene kleine brummende Klimaanlage aufs Dach zu
00:17:28: schrauben?!
00:17:29: Genau, denn das wäre erstens super ineffizient und würde zweitens die Außenluft der Stadt durch die ganze Abwärme noch weiter aufheizen.
00:17:36: Was in Singapur fatal wären?
00:17:38: Total!
00:17:39: Singapurt baut stattdessen digitale Klimazwellinge der gesamten Metropole um Luftströme exakt zu simulieren und setzt dann massiv auf sogenanntes District Cooling.
00:17:52: Das bedeutet es gibt zentrale hochgradig effiziente Kühlwerke die quasi eiskaltes Wasser durch ein gigantisches unterirdisches Röhrensystem in das gesamte Viertelpumpen um die Gebäude zu kühlen.
00:18:05: Es geht da buchstäblich, um dass Schiere überleben in einer extrem heißen Umgebung.
00:18:10: Wahnsinn!
00:18:10: Und parallel dazu verschiebt sich die Debatte von der reinen Energieeffizienz hin zur Suffizienze.
00:18:17: Die schmerzhafte Frage lautet plötzlich wie viel versiegelte Fläche?
00:18:22: Wie viel Wohnraum pro Kopf brauchen wir eigentlich wirklich, um gut zu leben.
00:18:26: Und ein ganz ähnlicher Druck lastet ja auch auf der Mobilität!
00:18:29: Da haben wir uns Strategie-Papiere wie die Radstrategie aus Baden-Württemberg angesehen...
00:18:34: Die
00:18:34: fordern da knallharte Meilensteine weil die Verkehrswende sonst schlicht wegscheitert.
00:18:40: Um die Menschen wirklich aus dem Auto zu bekommen, muss der öffentliche Nahverkehr so unfassbar reibungslos funktionieren, dass man morgens nicht mal mehr nachdenken muss.
00:18:51: Das beste Beispiel aus unseren Analysen war dieser E-Tarifpilot in München – das Prinzip ist ja genial!
00:18:58: Check it out einfach via Smartphone App.
00:19:02: Sie steigen als Hörer oder Nutzerinnen in die Tram ein, wischen kurz über den Bildschirm, steigen dann drei Stationen später in den Bus um und wischen beim Aussteigen wieder.
00:19:12: Sie müssen nie wieder irgendwelche Waben, Ringe- oder total unverständlicher Tarifzonen
00:19:17: studieren.".
00:19:18: Das
00:19:18: ist wirklich der ultimative Komfort!
00:19:20: Absolut – Die App berechnet im Hintergrund automatisch den günstigsten Preis für sie.
00:19:26: Aber….
00:19:27: Und jetzt kommt's... Dieser Komfort hat einen Preis, der uns in unseren Diskussionen immer wieder extrem beschäftigt hat.
00:19:34: Ja und dieser Preis ist der kontinuierliche Datenfluss.
00:19:39: Die unbedingte technische Voraussetzung damit so ein geniales System reibungslos funktioniert Ist nun mal dass die App im Hintergrund permanent ihren GPS-Standort trägt.
00:19:50: Sie müssen sich als Bürger komplett transparent machen.
00:19:53: Das ist der harte Tauschhandel der modernen Stadt.
00:19:55: Wir geben unsere geografische Privatsphäre auf und erhalten dafür diese absolute Bequemlichkeit und fließende Mobilität.
00:20:03: Das ist also kein abstraktes Technikthema mehr, sondern ein massiver gesellschaftlicher Aushandlungsprozess?
00:20:09: Genau das ist es!
00:20:11: Und als wäre dieses Spannungsfeld zwischen Klimadruck-und Datentransparenz nicht schon anspruchsvoll genug hat uns in den jüngsten Analysen ein Thema eingeholt dass wir in der Immobilien- und Stadtplanungsblase jahrzehntelang extrem erfolgreich verdrängt haben Die Geopolitik.
00:20:29: Wir haben uns da ja sehr tief in den sogenannten Prognos Dual Use Atlas eingearbeitet und die Analysen der Hochschule Biberach zu Defense Properties betrachtet.
00:20:39: Und hier möchte ich für uns beide auch direkt an die Hörerinnen und Hörern gerichtet, ganz klar einwerfen.
00:20:45: Wir betrachten dieses Thema hier absolut analytisch und wertfrei!
00:20:48: Es geht uns hier null um eine sicherheitspolitische Positionierung sondern rein um die nüchterne Beobachtung was aktuell auf den Märkten un mit unseren Knappenflächen passiert.
00:20:58: Ja das ist wichtig zu betonen – und was da gerade passiert ist schlichtweg dass Verteidigung plötzlich wieder zu einem knallharten Standortfaktor in der Regionalentwicklung werden.
00:21:10: Die Hochschule Biberach zeigt ganz klar auf, dass sicherheitsrelevante Immobilien gerade als eine völlig neue Anlageklasse entstehen.
00:21:19: Es gibt einen immensen Bedarf an Logistik und Infrastruktur Und der sogenannte Dual-Use-Gedanke zwingt Stadtplaner jetzt dazu standorte danach zu bewerten ob sie im Ernstfall sowohl civil als auch strategisch nutzbar sind.
00:21:34: Das führt zu massiven räumlichen Konkurrenzen.
00:21:36: Das beste Beispiel, um diesen Konflikt mal wirklich greifbar zu machen ist ja der massive Ausbau der Aufschäufe in Energie.
00:21:42: Wir haben da über zehn Gigawatt Leistung die vor unseren Küsten im Wasser stehen.
00:21:47: Wir brauchen diese Flächen auf dem Meer extrem dringend für die Energiewende und unsere Klimaziele.
00:21:52: Absolut!
00:21:53: Gleichzeitig sind genau diese Fläche aber eben kein leeres Niemandsland.
00:21:58: Es gibt dort militärische Übungsgebiete es gibt geheime U-Botrouten und vor allem die strengen Sichtlinien von nationalem Radaranlagen.
00:22:07: Ja, die Radaranlagen genau!
00:22:09: Wenn man einen gigantischen Windpark mit zweihundertfünfzig Meter hohen Rotoren genau in die Achse eines mediterischen Radarsystems baut dann ist dieses Radar auf gut Deutsch gesagt blind.
00:22:20: Das bedeutet zwei absolut überlebenswichtige strategische Ziele unserer Gesellschaft also eine unabhängig klimaneutrale Energieversorgung einerseits und unsere nationale Sicherheitsinfrastruktur andererseits streiten sich plötzlich um exakt denselben physischen Raum.
00:22:37: Wahnsinn, wenn man das alles mal zusammennimmt!
00:22:40: Es ist im Grunde so als würden wir von unseren Städten verlangen, dass Betriebssystem eines Handys komplett neu aufzusetzen während wir gleichzeitig ein lebenswichtiges Telefonat führen, das unter gar keinen Umstand abbrechen darf.
00:22:53: Das ist ein sehr scharfes Bild.
00:22:55: Wir müssen unsere Emission radikal senken und unsere Viertel gleichzeitig so umbauen, dass wir die drückende Sommerhitze irgendwie überleben.
00:23:03: Wir fordern reibungslose Mobilität und tauschen dafür den Schutz unserer Standortdaten ein – und dann auf dem Reisbrett der Regionalplaner streiten plötzlich Windräder-und Radaranlagen um denselben Quadratmeter
00:23:15: Platz.".
00:23:15: Ja… das ist eine hervorragende Zusammenfassung unserer Situation!
00:23:20: Und es führt uns eigentlich zur wichtigsten Lektion aus diesen ganzen Räumen.
00:23:25: Nämlich?
00:23:26: Diese unauflösbaren Spannungen werden nicht einfach verschwinden!
00:23:30: Es wird keine App und keine magische Technologie der Welt geben, die uns diese Zielkonflikte einfach wegzaubert.
00:23:37: Neider nein.
00:23:38: Wir erkennen dass wir massiv privates Kapital mobilisieren müssen um unsere Energie-und Sicherheitsinfrastruktur aufzubauen.
00:23:45: Wir stehen aber gleichzeitig vor der demokratischen Mammutaufgabe, die öffentliche Kontrolle über diese essentiellen Bereiche bloß nicht zu verlieren.
00:23:54: Diese ganzen Dilemmataar können wir eben nicht durch eine simple mathematische Formel am Computer lösen.
00:24:00: Sie müssen in der täglichen harten Realität der Stadtplanung ausgehandelt und dann – wie wir ja ganz zu Beginn sagten – zügig und konsequent umgesetzt werden.
00:24:10: Und damit schließt sich der Kreis zur unserer Ausgangsthese.
00:24:14: Nach all diesen Deep Dives, von der anfänglichen Naivität gegenüber so KI-Renderings bis hin zur knallharten Lebenszyklusbilanz eines ganzen Quartiers bleibt bei mir persönlich heute keine simple Trendliste für das Jahr.
00:24:30: Was bleibt ist vielmehr eine notwendige Haltung.
00:24:34: Die Zukunft unserer gebauten Umwelt entsteht genau dort wo wir aufhören bei jedem noch so kleinen Projekt das Rad neu erfinden zu wollen.
00:24:43: Sie entsteht da, wo wir den grauen unscheinbaren Bestand unserer Städte mit kreativen Augen völlig neu lesen.
00:24:51: Wo wir den Mut haben die lähmenden bürokratischen Prozesse so radikal zu standardisieren dass wir direkt vor Ort wieder die Freiheit haben bunte individuelle und lebenswerte Räume zu schaffen.
00:25:03: Und wo wir als Gesellschaft endlich erwachsen genug werden um diese harten Zielkonflikte zwischen Daten Klima und Raum einfach mal auszuhalten, und pragmatisch zum Managen.
00:25:15: Dem habe ich ehrlich gesagt kaum noch etwas hin zuzufügen – das Fachwissen ist ja links da!
00:25:21: Die technologischen und planerischen Werkzeuge liegen alle auf dem Tisch.
00:25:26: Die ultimative Aufgabe für die nächsten Jahre der Stadtentwicklung und sicherlich auch für unsere nächsten Hundert Analysen wird es einfach sein, aus all diesen fantastischen kleinen Leuchtturm- und Pilotprojekten endlich den absoluten Unaufgeregten Normalfall zu machen.
00:25:42: Und mit genau diesen Gedanken möchte ich Sie, liebe Hörerinnen und Hörern heute in den Tag entlassen – aber nicht ohne eine kleine Hausaufgabe!
00:25:50: Oh einer Hausaufgarbe?
00:25:52: Ja
00:25:52: muss sein!
00:25:53: Denken sie in den nächsten Tagen einmal ganz bewusst an Ihre eigene Stadt, an Ihr eigenes Quartier.
00:25:58: Welches kleine Pilotprojekt, welche clevere Zwischennutzung eines Gebäudes oder welches mutige Experiment zur Verkehrsberuhigung kennen Sie in Ihrer Nachbarschaft?
00:26:10: Bei dem Sie sofort sagen würden ganz ehrlich warum diskutieren wir da eigentlich noch drüber?
00:26:15: das sollte ab morgen früh für uns alle die absolute Standardregel sein.
00:26:20: Überlegen sie mal!
00:26:21: Da fallen Ihnen bestimmt sofort ein paar Dinge
00:26:22: ein Ganz sicher
00:26:24: Wenn Ihnen diese Jubiläumsausgabe gefallen hat und Sie das Gefühl haben, heute ein paar wertvolle Perspektiven auf die Systeme hinter unseren Städten gewonnen zu haben.
00:26:33: Dann empfehlen sie diesen Podcast sehr gerne an Ihre Kolleginnen, Freunde oder Bekannte weiter – die dieses Thema genauso brennend interessiert!
00:26:41: Das war eine weitere Folge von Snacks dem Snackable-Podcast produziert von Ström New Audio Culture.
00:26:48: Schauen Sie gerne in die Show Notes für weitere Infos zu unserem Thema.
00:26:51: bis zur nächsten Folge.
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